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Gasversorgung: Umstellung von L-Gas auf H-Gas

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Gasversorgung wird derzeit in vielen Regionen im Norden und Westen Deutschlands schrittweise umgestellt. Deshalb müssen zahlreiche Geräte wie Heizungen, Warmwasserbereiter und Gasherde umgerüstet werden.
  • Unmittelbare Kosten entstehen den meisten Verbrauchern nicht. Umrüstungen werden über die Netzentgelte durch alle Gaskunden gemeinsam finanziert.
  • In sehr wenigen Fällen müssen jedoch neue Geräte angeschafft werden.
  • Gaskunden müssen sich nicht aktiv um die Umstellung kümmern. Der zuständige Netzbetreiber geht auf sie zu.
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Handwerker Gasheizung
Foto: yunava1 / Fotolia.com

Welche Gebiete sind betroffen?

Die sogenannte Marktraumumstellung betrifft nur Verbraucher in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen. In den anderen Bundesländern Deutschlands werden Gaskunden seit langem zuverlässig mit H-Gas versorgt. Ob und gegebenenfalls wann bei Ihnen umgestellt wird, können Sie bei Ihrem lokalen Netzbetreiber erfragen. Wer das ist, steht auf der Gasrechnung. Mindestens ein 13-stelliger Code muss dort angegeben sein, über den Sie auf der Seite des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) die Kontaktdaten finden können. Sie müssen aber nicht selbst aktiv werden: Die Netzbetreiber kontaktieren alle Betroffenen.

Einen Überblick zu den Gebieten und geplanten Zeiträumen der Umstellung gibt diese Karte der Bundesnetzagentur. Verbraucher müssen mit einer Vorlaufzeit von zwei Jahren über die Umstellung auf H-Gas informiert werden. Über eine Umstellung im Jahr 2020 zum Beispiel werden Kunden also bereits im Jahr 2018 benachrichtigt.

Welche Gasgeräte sind betroffen?

Betroffene Geräte sind zum Beispiel Gasthermen, Gasheizkessel, Gasöfen und Gasherde, Gasdurchlauferhitzer und Gaskamine. Erdgasautos hingegen müssen nicht umgerüstet werden.

Wie läuft die Umstellung von L-Gas auf H-Gas ab?

Die Umstellung von L-Gas auf H-Gas wird durch den Netzbetreiber angekündigt und erfolgt dann in drei Schritten. Koordiniert wird alles von einem "Gasbüro", das der örtliche Gasnetzbetreiber eigens für diesen Zweck einrichten muss. Es steht auch bereit, Ihre Fragen zu beantworten.

An den Geräten selbst müssen hauptsächlich Düsen ausgetauscht und Regelarmaturen neu eingestellt werden. Wie aufwändig das im Einzelfall ist, hängt vom Gerätetyp ab.

Folgender Ablauf ist vorgesehen:

  1. Erfassung: Alle vorhandenen Gasgeräte müssen zunächst erfasst werden. Dazu kommen -– nach vorheriger Terminabsprache -– Fachleute im Auftrag des Gasbüros oder des Netzbetreibers ins Haus. Dies passiert in der Regel bereits ein Jahr vor der Umstellung.
  2. Umstellung:Auch dieser Termin wird Ihnen vorab angekündigt. Dann werden an den Gasgeräten zum Beispiel Brennerdüsen ausgetauscht, und sie werden neu eingestellt. Die Installateure bringen alle nötigen Ersatzteile mit.
  3. Qualitätskontrolle: Stichprobenartig wird in jedem zehnten Haushalt nach der Umrüstung geprüft, ob alles fachlich korrekt erledigt wurde.

Entstehen durch die Umstellung Kosten?

Für die Umstellung vorhandener Geräte müssen die Eigentümer nichts bezahlen. Die beauftragten Monteure dürfen Verbrauchern hierfür keinerlei Rechnung stellen. Alle Kosten für Umrüstungen werden durch den Netzbetreiber übernommen und dann über die Netzentgelte auf alle Gaskunden umgelegt. Da sich die Umstellung über einen Zeitraum von 16 Jahren erstreckt (von 2015 bis 2030), ist zurzeit davon auszugehen, dass Gaskunden nur wenige Euro mehr pro Jahr werden zahlen müssen.

Ein geringer Anteil der Geräte wird sich allerdings nicht anpassen lassen; diese Modelle müssen durch neue Geräte ersetzt werden. Verbraucher können in diesen Fällen einen Zuschuss in Höhe von 100 Euro von ihrem Netzbetreiber auf Grundlage von §19a EnWG beantragen. Ein weiterer Zuschuss, allerdings nur für Heizgeräte, ist möglich über die Gasgerätekostenerstattungsverordnung. Je nach Alter des bisherigen Geräts sind 100 bis 500 Euro möglich. Für den Austausch von Geräten, die älter als 25 Jahre sind, gibt es kein Geld. Auch für diesen Zuschuss ist der Netzbetreiber Ansprechpartner.

Wenn ein Gerätetausch erforderlich ist, wird der Netzbetreiber Sie informieren. Nur in diesem Fall müssen Sie aktiv werden und sich ein Ersatzgerät beschaffen.

Einen Zuschuss in Höhe von 100 Euro pro Gerät können auch Haushalte beantragen, die nach Bekanntgabe des Umstellungstermins freiwillig ein neues Gerät anschaffen und so die Umrüstung unnötig machen. In Frage kommen dafür selbst-adaptierende Gasgeräte oder Heizungen, die gar kein Erdgas mehr benötigen.

Was ist der Grund für die Umstellung?

Die Erdgasversorger im Norden und Westen Deutschlands beziehen bislang überwiegend sogenanntes L-Gas. Das "L" steht für das englische "low caloric" also "nierderkalorisch". Das bedeutet, dass das Gas nur einen vergleichsweise geringen Energiegehalt beziehungsweise Heizwert hat. Die L-Gas-Vorkommen in den Niederlanden und in Norddeutschland werden in absehbarer Zukunft erschöpft sein, so dass die Versorger nun auf das hochkalorische H-Gas umsteigen. Dieser Vorgang samt den notwendigen technischen Veränderungen wird als Marktraumumstellung bezeichnet.

Welchen Unterschied macht das Heizen mit H-Gas?

Nach der Umstellung auf das hochkalorische H-Gas wird dasselbe Heizergebnis mit weniger Kubikmetern Gas erzielt als bei der Nutzung von L-Gas. Die gleiche Zahl an Kilowattstunden wird also aus einer geringeren Gasmenge gewonnen. Da für die Gasrechnung aber nicht die Menge, sondern die Kilowattstunden maßgeblich sind, ändert sich hieran nichts.

Wo gibt es weiterführende Informationen?

Umfassend informiert die Bundesnetzagentur, zum Beispiel auf ihrer Internetseite. Zudem können Sie sich an ihren örtlichen Gasnetzbetreiber wenden.