Dark Patterns: So wollen Websites und Apps Sie manipulieren

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Dark Patterns sollen Nutzer:innen zu einer bestimmten Aktion bewegen. Wir zeigen, auf welche Maschen Sie achten sollten, um nicht mehr preiszugeben oder zu kaufen als gewollt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dark Patterns sind manipulative Designs oder Prozesse, die Nutzer:innen einer Website oder App zu einer Handlung überreden sollen.
  • Dark Patterns werden häufig verwendet, um an Ihre persönlichen Daten zu kommen oder Ihnen Abonnements und andere Verträge unterzujubeln.
  • Wir geben 5 Tipps, wie Sie sich vor Dark Patterns schützen können.
Mensch in einem Labyrinth
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Auf Websites und in Apps rückt die sogenannte „User Experience“ – also die Erfahrung der Anwendungsnutzer – immer mehr in den Vordergrund. Je ausgefeilter die Möglichkeiten werden, Ihnen genau das zu präsentieren, wonach Sie suchen, desto mehr Strategien zielen auch darauf ab, Sie zu einer bestimmten Handlung zu verleiten – auch wenn das für Sie keine Vorteile bietet. Ist ein Prozess oder ein Design so ausgerichtet, dass eher das Ziel des Anbieters verfolgt wird als der Nutzen für Verbraucher:innen, spricht man von einem „Dark Pattern“.

Wie funktionieren Dark Patterns?

Kurz gesagt sind Dark Patterns Designs, die Information nicht neutral darstellen oder sie schwer auffindbar machen. Die Oberflächengestaltung einer Website oder App ist oft deshalb so intuitiv, weil das Design auf Erkenntnissen aus der Verhaltenspsychologie beruht und deshalb instinktive Reaktionen ansprechen kann: Wenn Sie häufig Websites besuchen, haben Sie beispielsweise gelernt, einen farbig hinterlegten Text als Button zu erkennen und wissen, dass dadurch eine Aktion ausgelöst wird. Genau diese gelernten Verhaltensmuster nutzen Dark Patterns aber, um gewünschte Handlungen herbeizuführen, die Sie vielleicht gar nicht tätigen wollten. Derzeit fällt dies besonders bei der Gestaltung von Cookie-Bannern auf, die Sie zum Akzeptieren aller Cookies bewegen möchten.

Andere Arten von Dark Patterns verstecken gewünschte Informationen so gut, dass Sie sie nicht mehr finden können. Häufig ist das bei Menüoptionen zur Kündigung der Fall, die entweder bewusst undeutlich benannt werden oder gar nicht vorhanden sind, also nur schriftlich oder über ein Kontaktformular zur Verfügung stehen und damit die Kündigung erschweren.

Beispiele für häufige Dark Patterns

Dark Patterns gibt es in verschiedenen Varianten. Die Stiftung Neue Verantwortung listet in einem Bericht viele davon auf und erklärt diese . In Deutschland sind folgende verbreitet:

Ein Element wird in den Fokus gerückt

Dark Pattern Ein Element im Fokus

Seit der Einführung der DSGVO im Mai 2018 müssen Sie bei fast jedem Websitebesuch Banner und Pop-Ups wegklicken, die Sie dazu auffordern, Ihre Privatsphäre-Einstellungen zu übermitteln. Häufig gibt es nur eine offensichtliche Antwortmöglichkeit: Alle Cookies akzeptieren. Die Verlinkung, um alle Cookies abzulehnen wird teils gar nicht erst aufgezeigt, teils so versteckt dargestellt, dass sie sich nicht vom Fließtext unterscheiden lässt. Wird Ihr Fokus gezielt auf die gewünschte Aktion gelenkt, handelt es sich um ein Dark Pattern.

Die Formulierung oder Gestaltung ist bewusst undeutlich oder verwirrend

Dark Pattern Undeutliche Formulierung oder Gestaltung

Besonders in Formularen werden Formulierungen verwendet, in denen die eigentliche Aussage verneint oder missverständlich ausgedrückt wird. Befindet sich am Ende eines Anmeldeformulars beispielsweise eine angehakte Checkbox zur Newsletter-Anmeldung mit dem Erklärungssatz „Ich möchte mich nicht zum Newsletter anmelden“, ist es wahrscheinlicher, dass Sie das „nicht“ überlesen und hier dennoch wie gewohnt das Häkchen abwählen, weil Sie sich eigentlich nicht für den Newsletter anmelden wollten.

„Confirmshaming“

Dark Pattern Confirmshaming

Mittels „Confirmshaming“ bietet man Ihnen zwar eine Auswahlmöglichkeit an, legt Ihnen aber mit der Formulierung nahe, dass Sie sich schämen müssten, diese zu wählen. Können Sie also eine Aufforderung zur Newsletter-Anmeldung für Sonderangebote nur mit einem Klick auf „Ich mag keine Angebote“ ablehnen, betreibt der Anbieter Confirmshaming. Auch Formulierungen wie „Ich möchte nicht informiert sein“ oder „Ich möchte keinen guten Zweck unterstützen“ fallen in diese Kategorie.

(Erfundene) Knappheit eines Produktes

Dark Pattern Erfundene Knappheit eines Produktes

In vielen Onlineshops finden Sie Angaben darüber, wie viele Produkte noch auf Lager sind. Das soll vor allem den Kaufprozess beschleunigen. Einige Anbieter setzen diese Hinweise obwohl eigentlich noch ausreichend Produkte vorrätig sind.

Ein ähnlicher Effekt wird durch Countdown-Zähler oder Angaben über die Aktivität anderer Nutzer erzielt.

Zusätzliche Produkte im Warenkorb

Dark Pattern Weiteres Produkt im Warenkorb

Manche Anbieter platzieren zusätzliche Produkte – meistens Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Premium-Abonnements – im Warenkorb. Diese müssen deutlich gekennzeichnet werden. Ein zusätzliches Produkt kann aber schnell übersehen werden, wenn ein Einkaufsprozess in Eile abgeschlossen wird.

Versteckte, wechselnde oder nicht vorhandene Menüpunkte

Dark Pattern Versteckte Menüoptionen

Wollten Sie schon mal einen Vertrag kündigen oder ein Konto löschen und konnten die Option dafür einfach nicht finden? Einige App- und Websitebetreiber verstecken diese Option absichtlich oder erschweren eine Kündigung, indem sie beispielsweise einen postalischen Kündigungsweg verlangen, obwohl das Kundenkonto zuvor online eröffnet wurde. Auch eine wechselnde Formulierung innerhalb eines Kündigungsprozesses hat denselben Effekt: Ist eine Menüoption zunächst mit „Mitgliedschaft kündigen“ beschriftet, im nächsten Schritt können Sie aber nur noch zwischen „Auf Vorteile verzichten“ oder „Vorteile behalten“ entscheiden, ist dies absichtlich verwirrend.

Warum werden Dark Patterns verwendet?

Dark Patterns unterstützen das Geschäftsziel der Anbieter. Durch die manipulative Taktik profitieren sie meist entweder dadurch, dass sie von Ihnen mehr persönliche Daten erhalten oder Ihnen einen Vertrag unterjubeln, den Sie zu diesen Konditionen nicht abschließen wollten.

In folgenden Situationen erhalten Anbieter durch Dark Patterns Ihre persönlichen Daten:

  • Sie schließen aufgrund von Confirmshaming ein Newsletter-Abonnement ab.
  • Sie akzeptieren eine Datenübertragung, weil der Text an den Checkboxen absichtlich unklar formuliert war.

 

Finanziell profitieren Anbieter direkt von folgenden Dark Patterns:

  • Sie schließen ungewollt einen Vertrag oder Abonnement ab, weil die Zustimmung dafür nicht eindeutig formuliert war.
  • Ihr Abonnement verlängert sich, weil Sie aufgrund versteckter oder irreführender Optionen und Prozesse nicht rechtzeitig kündigen konnten.
  • Sie kaufen ein teureres oder ein zusätzliches Produkt, weil im Warenkorb auf einmal andere Preise aufgeführt oder weitere Produkte hinzugefügt werden.  

 

Wie können Sie sich vor Dark Patterns schützen?

Rechtlich sind Dark Patterns noch nicht immer gut fassbar und bewegen sich in einer Grauzone. Daher sollten Sie zunächst folgende fünf Vorsichtsmaßnahmen einhalten, um Dark Patterns zu vermeiden:

  1. Nicht zu schnell auf Buttons klicken: Schauen Sie sich bei jedem Pop-Up genau an, welche Optionen Sie haben.
  2. Checkboxen überprüfen: Achten Sie bei Formularen genau auf die Formulierungen von Texten.
  3. Warenkorb überprüfen: Sehen Sie sich alle Produkte in Ihrem Warenkorb vor Abschluss der Bestellung noch einmal an.
  4. Übereilen Sie die Kaufentscheidung nicht: Auch wenn angeblich nur noch wenige Artikel vorhanden sind oder anscheinend gerade viele Nutzer sich den gleichen Artikel anschauen, sollten Sie sich nicht zu einem Kauf drängen lassen.
  5. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen.

 

Podcast: Das Wichtigste zum Nachhören

Die Verbraucherzentrale Hessen hat mit Gast Jenny Häußer von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gesprochen. Dort arbeitet sie in der Rechtsdurchsetzung. In ihrer täglichen Arbeit hat sie immer wieder mit Dark Patterns zu tun.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit unserem Bundesverband (vzbv) sowie der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.