Menü
Herzlich willkommen im neuen Internetauftritt der Verbraucherzentrale! Wir haben viel getan - hier stellen wir die Neuerungen vor.

WhatsApp-Alternativen: die Datenschutzregeln im Überblick

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • WhatsApp will Daten mit Facebook austauschen - deshalb schauen sich viele Verbraucher nach Alternativen um.
  • Die Verbraucherzentrale NRW hat interessante Fakten aus den Datenschutzbestimmungen (Stand Sommer 2016) von sechs Messengern mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zusammengestellt: Threema, Hoccer, SIMSme, Telegram, Signal und Wire.
  • So können Sie vergleichen, bei welchem Messenger der Umgang mit Ihren Daten zu Ihnen passt.
On

Facebook räumt sich nach einer Änderung der Whatsapp-Nutzungsbedingungen im Sommer 2016 das Recht ein, für alle Unternehmen seiner Gruppe Daten aus dem 2014 zugekauften Messenger WhatsApp ziehen. Account-Informationen (u.a. Profilname, Profilbild, Status, Handynummer) seiner Nutzer sowie deren Adressbücher kann das Unternehmen damit unter anderem für Werbezwecke nutzen und kommt an noch mehr sensible Daten von Personen, die seine Netzwerke gar nicht nutzen. WhatsApp informiert seit Ende August 2016 über diesen Schritt und hatte eine 30-Tage-Frist gesetzt, den neuen Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie zuzustimmen.

Update vom 30.01.2017: Klage eingereicht

Das Unternehmen hat nach Aufforderung keine Unterlassungserklärung abgegeben. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat darum inzwischen wegen des Datenaustauschs Klage gegen WhatsApp eingereicht.

Viele schauen sich darum nach Alternativen um. Die Verbraucherzentralen empfehlen generell solche Messenger zu verwenden, die weder Nachrichteninhalte noch andere Daten ihrer Nutzer zu Werbezwecken nutzen oder an andere Unternehmen weitergeben. Um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, hat die Verbraucherzentrale NRW nun interessante Punkte aus Datenschutzerklärungen einiger Messenger festgehalten.

Viele populäre Messenger bieten keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Auch wenn gleich mehrere Apps mit Sicherheit werben: Welche Messenger lösen das Versprechen beim Umgang mit den Nutzerdaten ein? Die Verbraucherzentrale NRW hat bei gängigen Messengern die Datenschutzerklärungen gelesen und einige Kernaussagen zusammengetragen.

Wir haben nur Bestimmungen von Apps angeschaut, die zum Stand September 2016

  • für die am stärksten verbreiteten Betriebssysteme (iOS und Android) verfügbar sind,
  • mindestens Ende-zu-Ende-Verschlüsselung haben,
  • soweit sich das feststellen lässt, möglichst eine gewisse Verbreitung in Deutschland erreicht haben und
  • entweder kostenlos sind oder nur einmalig / monatlich weniger als 5 Euro kosten.

Einige besonders weit verbreitete Messenger sind damit gleich durch unser Raster gefallen: Skype, Google Hangouts und Snapchat bieten laut jeweiliger Datenschutzerklärung keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung oder sagen nichts dazu in den Erklärungen (Stand Sommer 2016). Auch Googles Messenger Allo sowie seit kurzem der Facebook Messenger bieten eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur in einem optionalen Modus, den man selbst für jeden Chat einschalten muss. iMessage ist nur für Apple-Geräte verfügbar.

Nicht berücksichtigt haben wir Aspekte neben den Datenschutzbestimmungen, zum Beispiel: Wie schnell ist die App und wie stabil sind die Server? Wie nutzerfreundlich ist die App im Detail gestaltet?

Wir haben uns bei Hoccer, Threema, SIMSme, Wire, Signal und Telegram angeschaut, was die Datenschutzbestimmung zum Hinterlassen von Datenspuren sagen (Stand Sommer 2016, im Detail finden Sie die Punkte, die uns beim Lesen ins Auge gesprungen sind, im anhängenden PDF):

Anonym nutzbare Messenger

Hoccer und Threema können Sie grundsätzlich anonym, also ohne Angabe von persönlichen Daten nutzen.

Hoccer speichert nach der eigenen Datenschutzerklärung ausschließlich eine zufällig generierte "Client"-ID nebst automatisch generiertem Passwort des Nutzers dauerhaft, um einen Abgleich mit Gruppen, Freunden und Profilen vornehmen zu können. Eine klassische Funktion, um die Kontakte mit dem eigenen Adressbuch "automatisch" zu synchronisieren, ist dabei nicht vorgesehen. Wenn Sie Freunde bei Hoccer finden möchten, müssen Sie selbst tätig werden und ihnen eine Einladung z.B. per E-Mail schicken.

Wenn Sie die "In der Nähe"-Funktion nutzen, sollten Sie sich bewusst sein, dass Nachrichten und Daten (z.B. Fotos) an alle Personen in der Umgebung geschickt werden - auch wenn plötzlich neue Hoccer-Nutzer dazu kommen - und Sie dabei auch Ihren ungefähren Standort offenbaren.

Wir haben beim Runterladen der App (so genannte APK-Version) für Android von der Internetseite des Anbieters selbst die ausführliche Datenschutzerklärung zum Messenger nicht deutlich angezeigt bekommen. Die Verbraucherzentralen raten jedoch ohnehin dazu, Apps ausschließlich über die vorgesehenen Wege, also die App-Stores, zu installieren, um das Risiko zu senken, Schadsoftware zu installieren.

Threema speichert die Telefonnummer und/oder (verschlüsselte) E-Mail-Adresse des Nutzers nur auf Wunsch und nur zur automatischen Kontaktsynchronisation. Außerdem können die Telefonnummern bzw. E-Mail-Adressen der Kontakte abgeglichen werden, um Freunde zu finden. Hierzu werden die Daten aus dem eigenen Adressbuch nicht dauerhaft gespeichert, sondern es erfolgt ein Abgleich über einen temporären Hash (eine Verschlüsselungs-Technik). Threema bekommt das Adressbuch mit E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Freunden also nur anonymisiert und verspricht, sie zu keinem Zeitpunkt auf einen Datenträger zu schreiben.

Auffällig: Wer bei Threema anderen im Chat zeigen möchte, wo er sich gerade befindet, muss seinen Standort ermitteln und mit Google zum Beispiel für nahe Geschäfte und Sehenswürdigkeiten (Google Places API) abgleichen lassen. Hier verweist Threema auf Google und deren Datenschutzerklärung. Google erhält hierbei Ihre gegenwärtige IP-Adresse, den Standort sowie Informationen über die Konfiguration des Geräts; Threema-ID, Name und Telefonnummer erhält Google nicht. Wenn Sie nicht wollen, dass hierbei Daten an Google gehen, verzichten Sie besser auf die Funktion und deaktivieren Sie sie.

Messenger mit Nutzerregistrierung

SIMSme, Wire, Signal und Telegram lassen sich nur unter Registrierung mit persönlichen Daten nutzen.

Der Messenger der Deutschen Post SIMSme funktioniert nur bei einer Verknüpfung mit der Telefonnummer. Außerdem behält sich das Unternehmen vor, soweit gesetzlich zulässig, personenbezogene Daten für Umfragen und zu Werbezwecken zu sammeln, bis ein Widerspruch erfolgt.

Wire lässt sich anders als Threema nicht ohne Angabe von Telefonnummer sowie des Vor- und Nachnamens nutzen. Da Wire übergreifend auf Smartphone und Rechner genutzt werden kann, werden Nachrichteninhalte verschlüsselt auf Servern gespeichert. Die Kontakte synchronisiert der Messenger, indem er verschlüsselte Telefonnummern und E-Mailadressen aus dem eigenen Kontaktbuch hochlädt. Das kann jedoch ausgeschaltet werden.

Der Messenger sammelt anonyme Daten zum Nutzungsverhalten (Metadaten), bis Sie das ausschalten. Ebenso können Sie E-Mails vom Anbieter zu Ankündigungen und Neuigkeiten erhalten, bis Sie das deaktivieren. Der Anbieter behält sich darüber hinaus explizit die Datenweitergabe an Dritte unter gewissen Voraussetzungen vor, z.B. im Zusammenhang mit der Durchsetzung der Nutzungsbedingungen oder Gerichtsverfahren.

Auch weist die Datenschutzerklärung explizit auf mögliche Drittanbieterfeatures z.B. von Youtube oder Spotify hin, für deren mögliche Datennutzung die jeweiligen Anbieter verantwortlich seien. Auf diese Features sollten Sie verzichten, wenn Sie nicht wollen, dass die Unternehmen Daten erhalten.

Signal benötigt ebenfalls eine Verknüpfung mit der eigenen Telefonnummer. Der Anbieter der Verschlüsselungstechnik, Open Whispers System, stellt keine Datenschutzerklärung auf Deutsch zur Verfügung und räumt sich das Recht ein, unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere im Zusammenhang mit vollstreckbaren Regierungsanfragen, Nutzerdaten mit Dritten zu teilen. Das Unternehmen sitzt in den USA.

Telegram hat ebenfalls keine Datenschutzerklärung auf Deutsch. Wir konnten nicht eindeutig herausfinden, wo die Server des Unternehmens stehen und sich der Firmensitz befindet. Neben der Notwendigkeit der Verknüpfung mit der Telefonnummer fordert die App die Angabe eines Vornamens. Die Funktion des Cloud-Chats mag zur geräteübergreifenden Nutzung praktisch sein, hierfür müssen aber sämtliche Chatinhalte verschlüsselt auf Servern gespeichert werden. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten nur die "Secret-Chats". Dazu kommt, dass Telefonnummern sowie Vor- und Nachnamen von Kontakten aus dem Adressbuch gespeichert werden und Nutzer diese voreingestellte Funktion abschalten müssten, wenn sie sie nicht wollen (so genannter "Opt out"). Bei Inaktivität von sechs Monaten werden die Nutzerdaten automatisch gelöscht.

Stiftung Warentest hat Verschlüsselung getestet

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2015 diverse Messenger auf den Schutz vor Hackern und die Privatsphäre abgeklopft. Den Test bietet sie online zum Preis von 1 Euro an.

Spuren selbst verringern

Unabhängig von den Versprechen der Anbieter, wie sie mit gewonnenen Daten umgehen werden, können Sie zusätzlich die eigenen Spuren verringern.

Statusmeldungen wie "Online" oder "Gelesen" machen Ihr Nutzungsverhalten durchschaubarer und können zu ungewollten Konflikten führen. Daher sollten sie, sofern möglich, die entsprechenden Meldungen deaktivieren. Nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick, welche Optionen die sechs Messenger bieten und welche deaktiviert werden kann (Stand Sommer 2016).

Status-Meldungen
  Lesebestätigung Online-Status tippt gerade
Hoccer einstellbar lässt sich nicht abschalten gibt es nicht
Signal gibt es nicht gibt es nicht gibt es nicht
SIMSme lässt sich nicht abschalten gibt es nicht gibt es nicht
Telegram lässt sich nicht abschalten einstellbar lässt sich nicht abschalten
Threema einstellbar gibt es nicht einstellbar
Wire gibt es nicht gibt es nicht gibt es nicht

Ob der Messenger Ihr Adressbuch nutzen und damit Kontakte synchronisieren kann, können Sie auch unabhängig von der jeweiligen App steuern: Sie können den Zugriff auf das Adressbuch durch das Betriebssystem verweigern (IOS und Android ab Version 6).

WhatsApp-Account löschen

Wenn Sie WhatsApp nicht mehr nutzen möchten, reicht es nicht, die App einfach zu deinstallieren. Sie müssen auch Ihren Account löschen. Unsere Bilder zeigen Schritt für Schritt, wie es bei Android, iOS und Windows funktioniert:

Screenshot WhatsApp für Android mit eingerahmtem Button oben rechts, über den man in die Einstellungen gelangt.

Tippen Sie oben rechts auf die drei Punkte.

Screenshot WhatsApp für Android mit eingerahmtem Menüpunkt Einstellungen

Tippen Sie dann auf "Einstellungen".

Screenshot WhatsApp für Android mit eingerahmtem Menüpunkt Account

Als nächstes tippen Sie auf "Account".

Screenshot WhatsApp für Android mit eingerahmtem Menüpunkt Meinen Account löschen

Hier können Sie Ihren Account löschen.

Screenshot WhatsApp für Android mit der Seite zum Löschen des Accounts

Zum Löschen geben Sie Ihre verwendete Handynummer an und bestätigen die Löschung durch Antippen des unteren roten Buttons.

Screenshot WhatsApp für iOS mit eingerahmtem Menüpunkt Account

Auf Apple-Geräten: Tippen Sie unten rechts auf "Einstellungen" und darin auf "Account".

Screenshot WhatsApp für iOS mit eingerahmtem Menüpunkt Meinen Account löschen

Tippen Sie auf "Meinen Account löschen".

Screenshot WhatsApp für iOS zeigt die Warnung, die vor dem Löschen des Accounts erscheint.

Zum Löschen geben Sie Ihre verwendete Handynummer an und bestätigen die Löschung durch Antippen des unteren Buttons.

Screenshot WhatsApp für Windows mit Rahmen um den Menüpunkt unten rechts, über den die Einstellungen geöffnet werden..

Klicken Sie unten rechts auf die drei Punkte.

Screenshot WhatsApp für Windows mit eingerahmtem Menüpunkt Einstellungen.

Öffnen Sie "Einstellungen".

Screenshot WhatsApp für Windows zeigt einen Rahmen um den Menüpunkt Account.

Tippen Sie auf "Account".

Screenshot WhatsApp für Windows mit eingerahmtem Menüpunkt Account löschen.

Anschließend tippen Sie auf "Account löschen".

Screenshot WhatsApp für Windows zeigt die Warnung, die vor dem Löschen des Accounts erscheint.

Zum Löschen geben Sie Ihre verwendete Handynummer an und bestätigen die Löschung durch Antippen des unteren Buttons mit dem Pfeil.