Rückerstattung von Kosten bei abgesagten Konzerten wegen Corona

Stand:

LG Traunstein vom 12.11.2020 (7 O 1732/20)

Off

Wird eine Veranstaltung abgesagt, kann die gebuchte Leistung – in diesem Fall das Konzert der Toten Hosen – nicht erbracht werden. Käufer müssen dann den vollen Ticketpreis inklusive Vorverkaufsgebühren zurückerhalten. Im vorliegenden Fall waren diese beim Verkauf überhaupt nicht ausgewiesen worden. Zudem unterliegt der Erstattungsanspruch der regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren und kann nicht auf wenige Monate verkürzt werden.

Verbraucher hatten über die Kauf mich GmbH Eintrittskarten für Konzerte der Toten Hosen gekauft. Wegen der Corona-Pandemie wurde die geplante Tournee ganz abgesagt. Ab dem 14.06.2020 hatte die Kauf mich GmbH im Auftrag des Veranstalters damit begonnen, die Rückerstattung der Eintrittskarten der Tournee „Alles ohne Strom“ vorzunehmen. Hierbei teilte die Kauf mich GmbH betroffenen Verbrauchern mit, dass der Ticketpreis exklusive der entstandenen Leistungen erstattet werde. Bei diesen einbehaltenen Beträgen sollte es sich um Leistungen handeln, die bereits durch die Kauf mich GmbH oder den Veranstalter erbracht sein sollten. Zudem sollte auch die Vorverkaufsgebühr in Höhe von 5 bis 6 Euro pro Ticket in den einbehaltenen Gebühren enthalten sein. Einbehalten wurden pro Ticket unterschiedliche Beträge. Eine nähere Aufschlüsselung gegenüber den betroffenen Verbrauchern erfolgte nicht. Beim Verkauf der Tickets wurde lediglich der Gesamtpreis des Tickets sowie ein Systemgebühr und Versandkosten aufgeführt.

Diese intransparente und willkürliche Handhabung der Ticketberechnung hielt die Verbraucherzentrale NRW und mit ihr auch das LG Traunstein für unzulässig. Begründung: Wird eine Veranstaltung abgesagt, kann die gebuchte Leistung – in diesem Fall das Konzert der Toten Hosen – nicht erbracht werden. Käufer müssen dann den vollen Ticketpreis zurückerhalten. Dies beinhaltet auch Vorverkaufsgebühren, insbesondere wenn diese beim Verkauf überhaupt nicht ausgewiesen waren.

Die Kauf mich GmbH hatte Verbraucher zudem aufgefordert, ihre Erstattungsansprüche bis Ende Oktober 2020 einzureichen. Das Gericht folgte auch hier den Argumenten der Verbraucherzentrale NRW und entschied, dass der Erstattungsanspruch der regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren unterliegt und eine derartige Verkürzung nicht zulässig ist.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verbraucher können ihre Ansprüche innerhalb der regelmäßigen Verjährungsfrist nach bis Ende 2023 geltend machen.