Investment-Angebote auf Social Media – schnelles Geld oder große Pleite?

Stand:
Schnelles Geld per Klick? Investment-Angebote auf Social Media wirken verlockend, führen aber oft zu hohen Verlusten. Die Verbraucherzentralen erklären, wie die Maschen funktionieren, woran Sie unseriöse Angebote erkennen und wie Sie sich schützen.
Mann schaut auf Tablet, das fallende Kurse anzeigt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Investment-Angebote auf Social Media sind häufig Betrug – besonders bei Versprechen von schnellem, sicherem Gewinn.
  • Kriminelle nutzen soziale Netzwerke und Messenger, um Vertrauen aufzubauen und Kontrollen zu umgehen.
  • Auch Angebote wie Social Trading oder Copy Trading sind hoch riskant und oft irreführend beworben.
  • Ein Totalverlust des eingesetzten Geldes ist jederzeit möglich.
  • Lassen Sie Angebote im Zweifel vorab von den Verbraucherzentralen prüfen und gehen Sie sofort zur Polizei, wenn Sie einen Betrug vermuten.
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Warum sind Investment-Angebote auf Social Media so gefährlich? 

Investment-Angebote auf Social Media wenden sich gezielt an Menschen, die wenig Erfahrung mit Geldanlagen haben. Plattformen wie Instagram, Facebook, TikTok oder YouTube ermöglichen es Kriminellen, ihre Werbung emotional und scheinbar persönlich zu gestalten – etwa mit Bildern von Luxus, Erfolgsgeschichten oder angeblichen positiven Nutzerbewertungen. 

Typisch sind Aussagen wie: 

  • "Passives Einkommen ohne Vorkenntnisse"
  • "Schon mit 250 Euro starten"
  • "Erprobte Methode, die Banken nicht wollen"

Solche Versprechen sind unrealistisch. Seriöse Geldanlagen bieten keine garantierten Gewinne – erst recht nicht in kurzer Zeit. 

Wie laufen Betrugsmaschen bei Investment-Angeboten ab? 

In den sozialen Medien erreichen Nachrichten schnell viele Menschen. Zwischen Posts von Freunden und Bekannten taucht auch jede Menge Werbung auf, die ein Leben im Luxus zeigt. In den Beschreibungen erklären die Kriminellen, wie sie angeblich ihr Geld verdient haben: online, fast ohne etwas dafür zu tun. Häufig geben sie vor, zuvor selbst an der Methode gezweifelt zu haben, betonen dann aber, alles sei wirklich ganz einfach und funktioniere. 

Die Maschen folgen meist einem ähnlichen Muster:

  1. Werbeanzeige oder Post auf Social Media
    Prominente Gesichter und mit KI erzeugte Deepfake-Videos mit angeblichen Erfolgsgeschichten sollen gezielt Aufmerksamkeit erzeugen.
  2. Kontaktverlagerung in Messenger-Dienste
    Die weitere Kommunikation findet über WhatsApp, Telegram oder Signal statt, damit die Kriminellen anonym bleiben und ihre Spuren schnell verwischen können.
  3. Anrufe von "Profi-Trader:innen"
    Manchmal bekommen Sie auch Anrufe von vermeintlichen "Profi-Trader:innen". Sie sind in der Regel psychologisch geschult und können sehr gezielt auf ihre Opfer einwirken. Sie bauen ein persönliches Verhältnis auf, was Sie dazu veranlassen soll, nach und nach auch Details aus dem Privatleben mitzuteilen. Dabei geht es nur darum, Vertrauen aufzubauen.
  4. Registrierung bei einem angeblichen Investment-Portal
    Für die erste Investition – meist rund 250 Euro – sollen Sie sich auf einer speziellen Plattform anmelden. Die Oberfläche dieser Plattformen wirkt oft professionell und authentisch. Teilweise dürfen Sie das Portal sogar zunächst testen, etwa mit Spielgeld. Die vorgegaukelte "Kontoeröffnung" läuft dabei auffällig unbürokratisch ab.
  5. Erste Einzahlung mit niedrigem Betrag
    Häufig wird ein niedriger Einstiegsbetrag verlangt, zum Beispiel 250 Euro, um Hemmschwellen zu senken.
  6. Scheinbare Gewinne auf Fake-Plattformen
    Kurz nach dem Start zeigt das Konto, wie sich das eingesetzte Kapital scheinbar vermehrt hat. In Wirklichkeit handelt es sich um Fake-Portale: Kurse und Erträge werden nur simuliert. Die Verbraucherzentralen wissen aus zahlreichen Beschwerden der letzten Jahre, dass derartige Plattformen reiner Betrug sind.
  7. Probleme bei der Auszahlung
    Spätestens wenn Sie sich Geld auszahlen lassen wollen, treten Probleme auf – oder das Portal ist plötzlich nicht mehr erreichbar. Das Geld ist dann meist verloren. Manchmal verlangt der "Kundenservice" des Portals auch weitere Unterlagen, die angeblich für die Auszahlung nötig sind wie etwa
    ➔ Ausweiskopien,
    ➔ Kopien der Kreditkarte oder
    ➔ Meldebescheinigungen. 

    Diese werden dann aber nicht anerkannt. Damit wollen die Kriminellen nur Zeit schinden, um ihre Spuren zu verwischen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Daten für einen Identitätsdiebstahl genutzt werden. Verschicken Sie daher niemals Fotos Ihres Personalausweises oder Reisepasses. Welche Folgen ein Identitätsdiebstahl im Internet haben kann, lesen Sie im verlinkten Artikel. 

Achtung: Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie Software herunterladen sollen, um ein Portal nutzen zu können. Mit dieser Software werden unter Umständen nicht nur die Gewinne simuliert, es könnte sich auch um Schadsoftware handeln

Am besten meiden Sie Trading-Portale komplett. Bei Kriminellen ist Ihr Geld sofort weg. Bei seriösen Anbietern am Ende auch, nur dauert es hier etwas länger. Denn mit Daytrading kann man auf Dauer kein Geld verdienen. Auf lange Sicht verliert man wegen der Handelskosten und der hohen Risiken Geld. Worauf Sie bei der Geldanlage achten müssen, erfahren Sie auf der verlinkten Seite.

Warum nutzen Kriminelle für Anlagebetrug so gerne soziale Medien?

Die sozialen Medien eignen sich für Kriminelle deshalb so gut, weil sie den ersten Kontakt mit möglichen Opfern immens erleichtern:

Social Proof

Social Proof: "Andere haben auch gewonnen"

Die Beiträge zu den Angeboten werden oft von einer Vielzahl anderer Personen kommentiert. Obwohl diese Kommentare fast ausnahmslos von Fake-Profilen stammen, kann schnell der Eindruck entstehen, dass andere mit der Methode Erfolg hatten.

Je mehr positive Rückmeldungen oder Bewertungen ein Beitrag oder eine Seite hat, desto wahrscheinlicher erscheint es, dass es sich um eine seriöse Investitionsmöglichkeit handelt. Es ist so zusagen ein "sozialer Beweis" dafür erbracht.

Info-Icon
Tatsächlich gibt es bei den meistens sozialen Netzwerken auch die Möglichkeit, ungewünschte Kommentare einfach zu löschen. Stehen bleiben also nur die Kommentare, die ein besonders gutes Bild der Methode vermitteln.

Personalisierte Werbung

Personalisierte Werbung

Das Geschäftsmodell der gängigsten sozialen Netzwerke beruht darauf, dass den Nutzer:innen der Plattform personalisierte Werbung angezeigt wird. Betrüger:innen können das für sich nutzen.

Denn schon lange kann bei den sozialen Medien nach mehr als nur dem Alter kategorisiert werden: Interessen, Online-Verhalten und sogar das Verhalten der Freunde können genutzt werden, um mit Werbung genau die gewünschte Zielgruppe anzusprechen.

Und wer einmal auf die Werbung geklickt hat, bekommt sie immer wieder angezeigt.

Mit dieser Taktik sprechen die Betrüger:innen gezielt Menschen ohne Erfahrungen mit Geldanlagen an. Denn wer sich schon viel mit Investitionen oder Kryptowährung beschäftigt hat, weiß: Bei Spekulationen am Finanzmarkt gibt es keine Garantien für schnelles Geld – oder Gewinne – sogar ein Totalverlust ist möglich.

Scheinbar seriöse Berichte

Kriminelle verlinken teils auch Nachrichten oder Blogartikel, die von ihrem angeblichen Erfolgsrezept berichten. Die Webseiten dahinter ahmen die Darstellungen und Logos von seriösen Zeitungen oder Fernsehkanälen nach. Auch Bilder und Namen von Prominenten werden missbraucht, um Seriosität vorzuspielen.

In den Artikeln wird meist erklärt, dass die Methode nur deshalb nicht sehr bekannt ist, weil offizielle Institutionen nicht möchten, dass die Öffentlichkeit davon erfährt – sonst könnte das ja jeder. Werden Sie besonders hellhörig, wenn ein Artikel wie eine Verschwörungstheorie klingt.

Wie riskant sind Social Trading und Copy Trading? 

Beim Social Trading verfolgen Anleger:innen die Strategien anderer. Sie können den Portfolios anderer Anleger:innen "folgen", diese diskutieren oder sogar nachbilden. Copy Trading geht noch weiter: Trades werden automatisch kopiert. 

Wichtig zu wissen:

  • Die "Top-Trader" unterliegen keiner unabhängigen Kontrolle.
  • Vergangene Erfolge sagen nichts über zukünftige Gewinne aus.
  • Werbung hebt oft nur die Zahl erfolgreicher Trades hervor und täuscht über die Verluste und Risiken der Anlagestrategie. 

Die Verbraucherzentralen warnen vor solchen Angeboten. Sie sind hoch spekulativ

Viele Anbieter von Social-Trading-Plattformen umgehen mit ihren Copy-Trading-Angeboten wichtige Regeln zum Schutz von Verbraucher:innen oder bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Wegen irreführender Werbung hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bereits mehrere Unterlassungsklagen gegen den Anbieter NAGA eingereicht. 

Gut zu wissen: Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Anlagestrategien angeblich "bewiesen" funktionieren. Melden Sie den Verbraucherzentralen derart unseriöse Werbung

Warum sind Trading-Tipps aus Chats und Gruppen unseriös? 

Selbst wenn sich hinter den Trading-Tipps keine Kriminellen verbergen, raten die Verbraucherzenralen zu höchster Vorsicht. Newsgruppen, die "Trading-Signale" verbreiten, sind unseriös, weil vermeintliche Trading-Signale keinerlei Informationsgehalt haben. Sie sind für eine Anlagestrategie so nützlich wie das Kaffeesatzlesen zur Vorhersage der Zukunft. Kurzfristige Kursentwicklungen lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen. Neue Informationen sind an den Finanzmärkten in Sekunden eingepreist.

Studien der Kapitalmarktforschung zeigen seit Jahrzehnten: Trading-Signale, Chartmuster oder "Geheimstrategien" sind kein verlässlicher Weg zur Geldanlage. Seien Sie also besonders vorsichtig, wenn jemand versucht, Sie zu einer Investition zu überreden. Fragen Sie im Zweifel bei den Verbraucherzentralen nach. 

Podcast: Das Wichtigste zum Nachhören 

Opfer finden. Psychisch manipulieren. Vertrauen aufbauen. Die Methoden, mit denen Anlageetrüger:innen ihre Opfer überzeugen, Geld zu überweisen, sind vielfältig. In dieser Folge sprechen wir mit Barbara, die an solche Personen ihre Altersvorsorge verloren hat, in dem Glauben, es sei schlau angelegt. Anhand ihres Falles geben wir Tipps, wie man sich selbst schützen kann.

Der Podcast ist im Rahmen eines vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz geförderten Projekts entstanden.
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Typische Warnsignale bei Investment-Angeboten auf Social Media

  • Garantierte oder außergewöhnlich hohe Gewinne.
  • Zeitdruck aufbauen: "Nur heute" oder "Letzte Chance".
  • Kontaktaufnahme über Messenger um Vertrauen aufzubauen statt offizielle Kanäle.
  • Fehlendes oder unvollständiges Impressum auf Trading-Websites.
  • Aufforderung zur Installation von Software oder Fernzugriff.

Was kann ich tun, wenn ich bereits bei einem unseriösen Portal investiert habe? 

Handeln Sie schnell:

  1. Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, wenn erst wenige Stunden seit der Überweisung vergangen oder Sie am Wochenende Geld an Kriminelle nicht in Echtzeit überwiesen haben. Bis zur Ausführung der Überweisung können Sie diese möglicherweise noch widerrufen.
  2. Haben Sie per Kreditkarte oder Paypal bezahlt, versuchen Sie die Zahlung sofort wegen Betrugs zurückzuholen.
  3. Investieren Sie unter keinen Umständen weiteres Geld - auch nicht, wenn vermeintlich überzeugende Argumente vorgebracht werden.
  4. Sichern Sie Beweise von der Kommunikation mit den Kriminellen. Machen Sie wie Screenshots, behalten Sie Zahlungsnachweise.
  5. Erstatten Sie Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft.
  6. Melden Sie den Fall der BaFin. Geben Sie auch die IBAN an, die die Kriminellen genutzt haben.
  7. Wenn Sie unsicher sind: Lassen Sie sich bei Ihrer Verbraucherzentrale beraten.

FAQ: Investment-Angebote auf Social Media

Sind Investment-Angebote auf Social Media grundsätzlich unseriös?

Viele sind es. Besonders bei unrealistischen Gewinnversprechen sollten Sie von Betrug ausgehen. 

Kann man mit Copy Trading sicher Geld verdienen?

Nein. Copy Trading ist hochriskant und kann zu schnellen Verlusten führen. 

Warum wechseln Anbieter schnell zu WhatsApp oder Telegram?

Dort können sie anonym bleiben, um sich der Strafverfolgung zu entziehen, und Inhalte lassen sich leichter löschen oder manipulieren. 

Was ist das größte Risiko bei diesen Angeboten?

Der Totalverlust des eingesetzten Geldes – oft ohne rechtliche Möglichkeiten zur Rückholung. 

Wer hilft bei der Einschätzung eines Angebots?

Ihre Verbraucherzentralen prüfen Angebote und beraten unabhängig, bevor Sie investieren.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Baden-Württemberg und Brandenburg für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.

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