Menü
Herzlich willkommen im neuen Internetauftritt der Verbraucherzentrale! Wir haben viel getan - hier stellen wir die Neuerungen vor.

Hörgeräte: Übernahme der Kosten

Stand:

Gesetzlich Krankenversicherte, die ein Hörgerät benötigen, erhalten nach einem Beschluss des Spitzenverbands der Krankenkassen einen Festbetrag von bis zu 784,94 Euro.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sie haben einen Anspruch auf aufzahlungsfreie Hörhilfen.
  • Der Anspruch umfasst die Anpassung, das Testen der Geräte, die Wartung der Geräte und die Reparatur.
  • Die Hörhilfen müssen geeignet und qualitativ hochwertig sein und medizinisch notwendig sein.
  • Mehrkosten aufgrund eines höherwertigen Gerätes und eines sonst besonderen Gerätes, das nicht medizinisch notwendig ist, müssen Sie selber tragen.
Off

Dieser Zuschuss bestimmt die maximale Höhe, bis zu der die Krankenkassen in der Regel eine Hörhilfe finanzieren. Wie viel die Hörgeräte dann im Einzelnen kosten dürfen, hängt zusätzlich von den Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Akustikern ab.

    Zu beachten ist, dass die Krankenkasse einen deutlich geringeren Betrag für das zweite Hörgerät übernimmt, wenn für beide Ohren ein Hörgerät benötigt wird. Folgende Hinweise und Tipps helfen, an das geeignete Gerät zu gelangen:

    Technischer Standard

    Hörgeräte für Kassenpatienten müssen mindestens mit Digitaltechnik ausgestattet sein. Vorteil: Ein digitales Hörgerät kann sich auf die Hörschwäche eines Patienten perfekt einstellen. Die moderne Technik sorgt für eine intelligente Signalverarbeitung und kann zwischen Umgebungsgeräuschen und Sprache unterscheiden. Der aufs Ohr treffende Schall wird automatisch reguliert. Feineinstellungen per Hand sind nicht mehr nötig. Geeignete Apparate müssen mindestens über vier Kanäle und drei Hörprogramme, eine Rückkoppelungs- und Störschallunterdrückung sowie über eine Verstärkungsleistung von bis zu 75 Dezibel verfügen.

    Übernahme der Kosten

    Hörgeräte-Akustiker können hierbei selbst entscheiden, welche Hörhilfen sie als Kassengerät führen. Sie müssen jedoch auch Modelle anbieten, die der Höhe des Festbetrags entsprechen, den die gesetzlichen Kassen übernehmen. Sofern sie nicht komplett von der Zuzahlung befreit sind, müssen Versicherte einen Eigenanteil von zehn Euro pro Gerät leisten.

    Je nach Hörschwäche und individuellem Bedarf sind viele Hörgeräte jedoch wesentlich teurer. Statt rund 800 Euro können sie mehr als drei- oder viermal so teuer sein. Etwaige Mehrkosten für ein höherwertigeres Gerät müssen Versicherte selbst übernehmen. Ist ein teures Hörgerät – etwa mit einem höheren Frequenzbereich – medizinisch erforderlich, zahlt die gesetzliche Krankenversicherung auch qualitativ hochwertigere Modelle.

    Zahlung von weiteren Dienstleistungen

    Die Kassen schultern außerdem die Kosten für die Beratung, Programmierung und Anpassung des Hörgeräts sowie für die Nachbetreuung und auftretende Reparaturen. Die für den Betrieb erforderlichen Batterien übernehmen die Krankenkassen jedoch nur bis zum achtzehnten Lebensjahr des Versicherten.

    Wahl des Akustikers

    Als Kassenleistung gibt’s ein Hörgerät bei erstmaliger Anschaffung nur auf Rezept nach einer Untersuchung beim Ohrenarzt. Mit der Verordnung in der Tasche sollten sich Versicherte zunächst bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Hörgeräteakustiker sie als Vertragspartner mit einem Hörgerät versorgen können. Um das passende Gerät zu finden, ist es ratsam, die Leistungen von mindestens zwei Hörgeräteakustikern miteinander zu vergleichen.

    Der ausgewählte Akustiker ermittelt mit dem Versicherten das geeignete Hörgerät und erstellt einen Kostenvoranschlag. Auf dessen Basis wird ein Antrag mit der ärztlichen Verordnung an die Krankenkasse geschickt. Wichtig: Erst nach schriftlicher Zusage ist sicher, dass die Kasse den Festbetrag für das ausgewählte Gerät vom Hörgeräteakustiker übernimmt.

    Wirkung der Mehrkostenerklärung des Versicherten

    Menschen mit Hörschwäche sollten sich von einem Akustiker nicht zur Wahl eines Geräts mit hohem Eigenanteil drängen lassen. Die Krankenkassen sind verpflichtet, ihren Versicherten ein Hörgerät zur Verfügung zu stellen, das medizinisch erforderlich ist. In der Regel reichen Kassengeräte aus, bei denen kein Eigenanteil zu leisten ist.

    Kann dem Versicherten kein Gerät angeboten werden, welches den medizinischen Bedarf abdeckt, sollte er umgehend Kontakt mit der Krankenkasse aufnehmen.

    Entscheiden sich Betroffene aus medizinischen Gründen für ein Gerät, das nicht aufzahlungsfrei ist, sollten sie immer einen Antrag auf Übernahme der Mehrkosten bei ihrer Krankenkasse stellen.

    Die Akustiker legen den Versicherten zwar eine sogenannte "Mehrkostenerklärung des Versicherten" vor, die sie unterschreiben sollen. Obwohl der Versicherte hierbei auch unterschreibt, dass er die Mehrkosten selber trägt, sollte er bei medizinischer Notwendigkeit in jedem Fall einen Antrag bei der Krankenkasse stellen.