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Schule: Lernen ohne Vitaminpillen

Stand:

Kinder benötigen keine Nahrungsergänzungsmittel - weder in der Grundschule noch beim Wechsel auf eine weiterführende Schule.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Stiftung Warentest hat über die Werbung für Pillen zum besseren Lernen geurteilt: leere Versprechen.
  • Nur für sehr wenige Inhaltsstoffe sind Aussagen erlaubt, die sich auf die gesunde Entwicklung von Kindern beziehen.
  • In Deutschland sind Kinder im Schnitt ausreichend mit den meisten Vitaminen und Mineralstoffen versorgt.
  • Insbesondere bei Kindern sollten natürliche Nährstoffquellen Vorrang haben. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören reichlich Getreideprodukte, Kartoffeln, Gemüse, Obst und (fettarme) Milchprodukte. Fleisch, Fisch und Eier ergänzen den Speiseplan.
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Eine Ernährung mit allen notwendigen Nährstoffen ist mit unserem heutigen Lebensmittelangebot ohne weiteres zu bewerkstelligen. Trotzdem sind viele Mütter und Väter verunsichert, ob ihr Spross ausreichend versorgt ist, insbesondere dann, wenn das Kind vermeintlich oder tatsächlich schlecht oder unausgewogen isst. Diese Ängste werden durch Werbeaussagen wie "welches Kind isst schon 3mal täglich Gemüse" noch geschürt. Sie sollen uns glauben machen, dass Kinder den Herausforderungen des Alltags mit einer Extraportion Vitaminen, Mineralstoffen oder speziellen Fettsäuren besser begegnen können – vor allem wenn sie leistungsfähiger als andere sein sollen.

Leere Versprechen

Die Stiftung Warentest hat im Februar 2013 exemplarisch 12 Produkte ausgewählt, die angeblich günstig auf die Gehirnfunktion, das Lernen und die Konzentration bei Kindern wirken. Sie enthielten als Hauptkomponente Omega-3 Fettsäuren , teilweise in Kombination mit Omega 6-Fettsäuren ergänzt um verschiedene Vitamine und/oder Mineralstoffe. Als "Klugstoff für Kinder", "Gehirnproteine" oder sogar "ergänzende bilanzierte Diät zur Behandlung von AD(H)S" preisen die Hersteller die Mittel an. Versprochen werden vielfältigste Verbesserungen oder Unterstützung der kognitiven Leistungen des Kindes. Dagegen hat die Stiftung alle Produkte als wenig geeignet beurteilt, weil ihr Nutzen nicht ausreichend belegt sei.

Klare Werberegeln

Nicht nur die Wirksamkeit lässt zu wünschen übrig, die Firmen verstoßen zum Teil auch gegen gesetzliche Vorschriften. Denn die Health-Claims-Verordnung (HCVO) legt fest, dass nur das beworben werden darf, was durch wissenschaftliche Studien belegt ist. Ebenso sind Wortlaut und Verwendungsbedingungen dieser Gesundheitsaussagen (Claims) genau vorgeschrieben.

So darf der Hersteller eines Nahrungsergänzungsmittels nicht damit werben, dass die in seinem Produkt enthaltenen Omega-3-Fettsäuren die Leistungsfähigkeit von Kindern deutlich steigern könnten. Das hat das Landgericht Mainz im Mai 2014 nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Forum Vita GmbH & Co. KG entschieden. Die Firma hatte auf ihrer Internetseite das Präparat "Omega iQ Junior" speziell für Schulkinder mit Konzentrations- und Rechtschreibschwächen angepriesen und Eltern "in vielen Fällen fast schon sensationelle Ergebnisse" versprochen.

In Bezug auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern ("Kinderclaims") dürfen nur für sehr wenige Inhaltsstoffe Gesundheitsaussagen getroffen werden. Dies sind bislang:

Inhaltsstoff Wirkung
Calcium, Vitamin D (sowie Calcium + Vitamin D), Phosphor, Protein ...werden für ein gesundes Wachstum
und eine gesunde Entwicklung
der Knochen benötigt
Vitamin D ...trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei Kindern bei
DHA (Omega-3 Fettsäure geht aus Alpha-Linolensäure hervor) ...trägt zur normalen Entwicklung der Sehkraft bei Säuglingen bis zu 12 Monaten bei

…Aufnahme von DHA durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling bei

… Aufnahme von DHA durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns beim Fötus und beim gestillten Säugling bei
Alpha-Linolensäure(Omega-3 Fettsäure) und Linolensäure ..werden für ein gesundes Wachstum
und eine gesunde Entwicklung benötigt
Jod ...trägt zum normalen Wachstum bei
Eisen ... trägt zur normalen
kognitiven Entwicklung bei

Alle Nährstoffe versprechen lediglich eine Gewährleistung der normalen Körperfunktionen. Eine Leistungsverbesserung kann außer bei einem echten Mangel – der vom Arzt festgestellt werden muss - durch eine Nährstoffgabe nicht erzielt werden.

Ausreichende Versorgung

Durchschnittlich sind hierzulande Kinder wie Erwachsene mit den meisten Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend versorgt. Nicht gänzlich erreicht werden die empfohlenen Mengen für die Vitamine Folat und Vitamin D sowie die Mineralstoffe Eisen, Jod und Calcium.

Ausgerechnet diese Nährstoffe findet man nur in wenigen angereicherten Lebensmitteln, dafür viele andere wie Vitamin C oder B12, und zwar teilweise in Mengen, die deutlich über dem Tagesbedarf eines Kindes liegen. Gerade wenn Kinder mehrere angereicherte Lebensmittel essen, kann es zur Überversorgung kommen und eine Gesundheitsgefährdung durch Überschreitung der Höchstmengen auftreten.

Übrigens: "Das Beste aus Gemüse und Obst" in Kapselform enthält nur einen Bruchteil dessen, was in den entsprechenden Lebensmitteln tatsächlich alles enthalten ist; die Vitamine darin sind zumeist künstlich und zugesetzt. Weitere Informationen dazu finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Unsere Empfehlung für eine ausgewogene Ernährung

Gerade bei Kindern sollte man auf natürliche Nährstoffquellen zurückgreifen. Gute Folat-Quellen sind grüne Blattgemüse, Vollkornbrot und Hülsenfrüchte. Reichlich Vitamin D findet sich in Eigelb und fettreichem Seefisch, wie Lachs, Hering und Makrele. Es wird aber vor allem auch - unter der Einwirkung von Sonnenlicht - vom Körper selbst gebildet. Daher sollten tägliches Spiel und Sport im Freien – auch im Winter – selbstverständlich sein. Im Sommer empfehlen sich für Kinder - allerdings erst ab 3 Jahren – auch etwa 15 Minuten täglich ohne Sonnenschutz unter Vermeidung von Sonnenbrand. Mit Eisen warten vor allem Fleisch, aber auch Vollkornprodukte, Nüsse und grünes Gemüse auf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät bei Eisen von angereicherten Lebensmitteln ab. Zu einer optimalen Jodversorgung tragen der Verzehr von Seefisch sowie Milch und Milchprodukten und die Verwendung von jodiertem Speisesalz bei. Gute Calciumlieferanten sind alle Milchprodukte, Nüsse, calciumreiches Mineralwasser und dunkelgrünes Gemüse wie zum Beispiel Brokkoli. Weitere Informationen zu Vitaminen und Mineralstoffen finden Sie in unserem Angebot "Die richtige Ernährung für Kinder".

Kinder benötigen keine Vitamintabletten und Mineralstoffpräparate - weder in der Grundschule noch beim Wechsel auf eine weiterführende Schule. Wichtig ist, dass die Sprösslinge ausreichend trinken, genügend schlafen und sich regelmäßig an der frischen Luft bewegen. Das fördert Hirndurchblutung und Denkleistung besser als fragliche Nahrungsergänzungspräparate.

Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören reichlich Getreideprodukte, Kartoffeln, Gemüse, Obst und (fettarme) Milchprodukte. Fleisch, Fisch und Eier ergänzen den Speiseplan.

Wer trotzdem Bedenken hinsichtlich der Vitaminversorgung seines Kindes hat oder gerne auf Nummer sicher gehen möchte, sollte darüber vor dem Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Kinderarzt sprechen.

 

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