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Initiative Tierwohl

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Initiative Tierwohl setzt seit April 2018 unsere Hauptforderung für frisches und unverarbeitetes Geflügelfleisch um: Ein neues Logo auf dem Geflügelprodukt zeigt, dass das Produkt tatsächlich von einem teilnehmenden Betrieb stammt.
  • Diese Produktkennzeichnung muss nun schnellstens auch für Schweinefleisch eingeführt werden, um eine Verwechslung mit herkömmlichen Produkten auszuschließen.
  • Die Initiative Tierwohl wird im Handel stark beworben. Der Marktanteil von Produkten aus dem Programm ist dagegen relativ niedrig. 23 % der Mastschweine in Deutschland werden nach den Kriterien der Initiative Tierwohl gehalten.
  • Wer sich für den Kauf von Produkten aus dem Tierwohl-Programm entscheidet, leistet einen kleinen Beitrag für eine verbesserte Tierhaltung. Derzeit liegen die Anforderungen nur wenig über denen, die gesetzlich vorgeschrieben sind.
Aufkleber der Initiative Tierwohl auf Geflügelfleischpackung
Stammt das Fleisch von einem Tier, das mehr "Tierwohl" erfahren hat? Das konnten Verbraucher zum Start der Initiative Tierwohl auf Geflügel nicht nachvollziehen.
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Ziel und Strategie der Initiative

Die Initiative Tierwohl ist ein branchenübergreifendes Bündnis von Verbänden und Unternehmen der Land- und Fleischwirtschaft sowie des Lebensmittelhandels. Ziel der Initiative Tierwohl ist es, das Tierwohl in der landwirtschaftlichen Produktion stärker zu verankern und die Haltungsbedingungen möglichst vieler Schweine, Hähnchen und Puten zu verbessern. Finanziert wird die Initiative Tierwohl vom Lebensmitteleinzelhandel. Die beteiligten Handelsketten zahlen seit Januar 2015 jeweils vier Cent für ein Kilogramm an verkauftem Schweine- und Geflügelfleisch sowie für Wurstwaren in einen Fonds ein, aus dem die Landwirte ein sogenanntes "Tierwohlentgelt" erhalten. Seit Januar 2018 werden 6,25 Cent abgeführt. Damit werden die Mehrkosten, die den Landwirten durch ihre Maßnahmen für mehr Tierwohl entstehen, ausgeglichen. Da es keine höheren Preise für Fleisch gibt, entsteht für Verbraucher der falsche Eindruck, dass Tierschutz nichts kostet.

Das Interesse von Tierhaltern sich an der Initiative zu beteiligen, ist nach Aussage der Initiative Tierwohl sehr hoch. Demnach wollten in der ersten Registrierungsphase im Jahr 2015 doppelt so viele Landwirte teilnehmen, als finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Für die zweite Programmphase 2018 – 2020 können alle im Herbst 2017 angemeldeten Betriebe nach bestandenen Audit an der Initiative Tierwohl teilnehmen.

Kriterien für die Tierhaltung

Landwirte, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, müssen

  • Stallluft und Tränkewasser jährlich kontrollieren lassen,
  • den Tieren ein Mindestmaß an Tageslicht ermöglichen,
  • zustimmen, dass Beanstandungen an den geschlachteten Tieren zentral erfasst werden,
  • verpflichtend an einem Antibiotika-Monitoring teilnehmen, bei dem Antibiotikaabgaben und -anwendungen erfasst werden.

Weiterhin müssen Schweinehalter den Tieren zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial anbieten. Weitere Wahlkriterien können erfüllt werden, wie etwa 20 Prozent mehr Platz, ständiger Zugang zu Raufutter, Scheuermöglichkeiten und Saufen aus offener Fläche.

Die Pflichtkriterien für die Geflügelmastbetriebe sind zehn Prozent mehr Platz sowie zusätzliches Beschäftigungsmaterial, ein veränderbarer, bepickbarer Gegenstand wie ein Strohballen.

Neutrale Zertifizierungsstellen kontrollieren, ob die Kriterien der Initiative Tierwohl eingehalten werden. Die Landwirte setzen die jeweiligen Kriterien um und erhalten einen finanziellen Ausgleich – sogenannte "Tierwohlentgelte", die durch den Lebensmitteleinzelhandel finanziert werden.

Bislang kleiner Marktanteil

Nach Angaben der Initiative werden bisher deutschlandweit 23 Prozent der Mastschweine und 31 Prozent der Masthähnchen nach den Vorgaben der Initiative Tierwohl gehalten, weniger als der Werbeauftritt im Handel vermuten lässt. Mit Slogans wie "Weil Tierwohl Haltungssache ist" und "Weil jeder Schritt für mehr Tierwohl ein guter Schritt ist" werben die teilnehmenden Supermärkte und Discounter auf Plakaten und an den Fleischtheken für die Initiative Tierwohl. Seit April 2016 werden Schweine- und Geflügelfleisch-Produkte vor allem bei Discountern zudem mit einem vierfarbigen Kachelsymbol gekennzeichnet und unter der Bezeichnung "Initiative Tierwohl" angeboten.

…aber große Werbekampagne

Aufkleber mit der Aussage: "Mit dem Kauf von Fleisch und Wurst von Schwein, Pute und Hähnchen aus unserem Sortiment unterstützen Sie den Wandel zu einer tiergerechteren Haltung" suggerieren, dass die mit dem Initiative Tierwohl-Symbol gekennzeichneten Schweine- und Geflügelprodukte aus dem Programm stammen. Doch das ist keineswegs garantiert.

Die Verbraucherzentralen halten den zusätzlichen Hinweis auf dem Produktetikett: "Diese Information bedeutet nicht, dass die erworbenen Produkte bereits vollständig aus teilnehmenden Betrieben der Initiative stammen", für missverständlich. Denn 83,6 Prozent der Verbraucher wollen "am Produkt nachvollziehen können, ob das Fleisch aus verbesserter Tierhaltung stammt". Die Produktaufkleber erwecken aber bei 76,3 Prozent der Verbraucher die Erwartung, "dass genau dieses Fleisch aus verbesserter Haltung stammt", so das Ergebnis einer Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes aus dem Jahr 2016.

Daher fordern die Verbraucherzentralen die Kennzeichnung auf Fleischprodukte zu beschränken, die nachweislich von Tieren der Initiative stammen. Seit Anfang April 2018 hat die Initiative Tierwohl diese Forderung für frisches, unverarbeitetes Geflügelfleisch umgesetzt. Wir erwarten, dass dieses auch für unverarbeitetes Schweinefleisch schnellst möglichst eingeführt wird.

Leicht verbesserte Tierhaltung

Aus Sicht der Verbraucherzentralen führen die Anforderungen der Initiative erst einmal zu einer leicht verbesserten Tierhaltung – das sollte für Verbraucher deutlich erkennbar sein.

23 Masthühner statt 26 auf einem Quadratmeter, Schweine mit zehn Prozent mehr an eingeräumtem Platz, ein Strohballen pro Stalleinheit bei bis zu 2.700 Hähnchen und ein Hanfseil für 20 Schweine sind Schritte in die richtige Richtung. Jetzt gilt es, die Kriterien für die Tierhaltung nach einem verbindlichen Stufensystem und klarer zeitlicher Staffelung weiter anzuheben.

Unsere Forderungen

Damit Kunden die Produkte eindeutig erkennen können, dürfen nur die Fleischprodukte mit dem Initiative-Tierwohl-Symbol gekennzeichnet werden, die nachweislich von Tieren der Initiative Tierwohl stammen. Die Initiative Tierwohl sollte ihre Kriterien schrittweise deutlicher über das gesetzliche Mindestniveau anheben.