Menü

Gesetzliche Bestimmungen für den Einsatz von Pestiziden

Stand:
On
Pestizide Sprühbehälter
Budimier Jevtic / Fotolia

Das gilt vor allem für bestimmte Wirkstoffe, die in Verdacht stehen, schwere Erkrankungen auslösen zu können. Bienengefährliche Mittel stehen ebenfalls in der Kritik. Auch dass es in einem Lebensmittel 20, 30 oder sogar noch mehr Pestizide geben darf, wird häufig kritisiert.

Wie wird die Anwendung von Pestiziden gesetzlich geregelt?

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und im Gartenbau ist umfassend geregelt: Vor ihrem Einsatz müssen sie zugelassen werden. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Zulassung eines neuen Wirkstoffes und der eines neuen Präparates, das aus einer Mischung von verschiedenen zusätzlichen Substanzen und dem eigentlichen Wirkstoff besteht.

Für die Zulassung eines neuen Wirkstoffs muss der Hersteller umfangreiche Bewertungsunterlagen vorlegen, die sowohl durch die nationalen Behörden als auch durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft werden. Am Ende entscheidet die Europäische Kommission über die Aufnahme oder Nicht-Aufnahme des Wirkstoffs in die Positivliste zugelassener Wirkstoffe. Diese Zulassung gilt dann in der gesamten EU. Die Zulassung handelsüblicher Pflanzenschutzmittelpräparate (bestehend aus Wirkstoffen, Trägerstoffen und anderen Substanzen) erfolgt in jedem EU-Land separat.

In Deutschland regelt das Pflanzenschutzgesetz mit seinen Verordnungen Zulassung, Vertrieb, Anwendung und Überwachung der Mittel. Für den ökologischen Landbau gelten gesonderte, deutlich strengere Vorgaben.

Wie sind die Rückstandshöchstgehalte geregelt?

Die Rückstandshöchstgehalte sind EU-weit einheitlich geregelt. Für jeden Wirkstoff werden die genaue Anwendung und Kultur (zum Beispiel Tomaten im Gewächshaus oder Weißkohl im Freilandanbau) und für jede Kombination von Pestiziden in einem Präparat ein Höchstgehalt festgelegt. Jeder Pestizidwirkstoff ohne gesetzliche Regelung, also ohne festgelegten Höchstgehalt, darf in allen Lebensmitteln maximal eine Menge von 0,01 mg/kg erreichen.

Allerdings gibt es immer noch keine Vorschriften zur Anzahl und Gesamtmenge von Pestiziden, die in einem Lebensmittel vorkommen dürfen. Für diese Mehrfachrückstände müssen gesetzliche Bestimmungen dringend geschaffen werden. In Einzelfällen wurden 30 verschiedene Pestizide und sogar noch mehr in einem Lebensmittel nachgewiesen. Das ist erlaubt, wenn jedes einzelne unterhalb seines Höchstwertes bleibt. Die Summe der verschiedenen Substanzen wird bei einer Bewertung bislang nicht berücksichtigt.

Im Trinkwasser dagegen dürfen nur 0,0001 mg/l bezogen auf einen Stoff bzw. 0,0005 mg/l Rückstände insgesamt vorkommen.

Für Säuglings- und Kleinkindnahrung gelten strengere Höchstgehalte, diese sind in der Diätverordnung geregelt.

Im ökologischen Landbau sind chemisch-synthetische Pestizide verboten, in einer Liste des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit werden die erlaubten Mittel veröffentlicht.

Was wird kontrolliert? Und was geschieht, wenn Höchstgehalte überschritten werden?

Die Überwachung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln ist im Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) geregelt. Die Behörden der Bundesländer kontrollieren im Rahmen der Lebensmittelüberwachung stichprobenartig Lebens- und Futtermittel auf Pestizidrückstände. Die Häufigkeit der Kontrollen und Untersuchungen hängt immer davon ab, wie stark das Lebensmittel üblicherweise gespritzt wird, beziehungsweise wie häufig problematische Rückstände auftreten.

So gibt es beispielsweise bei Johannisbeeren mehr Kontrollen als bei Spargel. Der Grund: Johannisbeeren sind häufig mit Pestiziden belastet, Spargel dagegen kaum oder gar nicht.

Daneben gibt es ein jährliches Monitoring, das gezielt einzelne Produktgruppen herausgreift und untersucht. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führt dazu die Daten der Bundesländer zusammen und speist sie in das europäische Monitoring ein.

Werden Rückstände über den erlaubten Höchstmengen gemessen, darf das betreffende Lebensmittel nicht mehr verkauft werden. Um weitere Lieferungen zu vermeiden, informieren die Behörden in der EU sich gegenseitig über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF). Fragliche Produktchargen können so europaweit untersucht und gegebenenfalls vom Markt genommen werden.