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Nährwerte von Lebensmitteln: Hersteller müssen informieren

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Hersteller müssen auf Lebensmittelverpackungen verschiedene Nährwerte angeben - und das EU-weit einheitlich. Eine Ampellösung gibt es weiter nicht. Einen Lösungsansatz für schnelles Erkennen der Nährwerte zeigt Nachbarland Frankreich: Dort wurde 2017 der sogenannte Nutri-Score eingeführt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Angaben zu Fett, Zucker, Salz und Co. sind bei verpackten Lebensmitteln verpflichtend zu kennzeichnen - und das EU-weit einheitlich.
  • Eine Ampellösung gibt es aber weiter nicht: Ob ein Produkt hohe oder geringe Mengen dieser Stoffe enthält, ist darum nicht unmittelbar zu erkennen.
  • Lose Ware ist von dieser Regelung der Nährwertkennzeichnung ausgenommen.
Eine Frau steht im Supermarkt und blickt kritisch auf eine Süßigkeitenverpackung.
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Für alle Lebensmittelhersteller ist es Pflicht: Auf Verpackungen müssen detaillierte Nährwerte stehen. Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salzgehalt des Produkts müssen angegeben werden. Dargestellt sein müssen sie in der Regel als Tabelle.

Die Angaben müssen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des jeweiligen Lebensmittels beziehen. Die Hersteller können außerdem zusätzliche Angaben pro Portion machen.

Ausnahmen von der Regel

Die verpflichtende Nährwertkennzeichnung gilt grundsätzlich für jede vorverpackte Lebensmittel. Lose Ware und Lebensmittel, die zum unmittelbaren Verkauf vorverpackt werden, wie Pralinen oder Teegebäck, sind von der Regelung ausgenommen. Eine Ausnahme bilden auch alkoholische Getränke (obwohl diese oft besonders viel Energie beinhalten und damit potenzielle Dickmacher sind).

Außerdem müssen Kleinverpackungen nicht beschriftet werden, deren größte Oberfläche weniger als 25 Quadratzentimeter beträgt (in etwa eine große Streichholzschachtel).

Nutri-Score-System in Frankreich

Ein europäisches Nachbarland macht es vor: In Frankreich wurde im November 2017 erfolgreich der sogenannte Nutri-Score eingeführt. Die Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen soll auf einen Blick zeigen, ob ein Produkt gesund ist oder nicht. Der Nutri-Score besteht aus einer fünf-stufigen Farbskala mit Buchstaben (A - E) - dabei steht das "A" in grün für die günstigste und "E" in rot für die ungünstigste Nährwertbilanz. Die Nährwert-Deklaration auf vorverpackten Lebensmitteln bezieht sich auf den Gehalt problematischer Bestandteile wie Fett, Salz und Zucker sowie auf günstige Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine, Früchte und Gemüse. Die Verwendung des Nutri-Scores in Frankreich ist für die Hersteller freiwillig.

Zuckerbomben, Fettfallen oder Salzreiches immer noch nicht leicht zu erkennen

Hersteller können trotz dieser Regelungen durch freiwillige Portionsangaben tricksen. Kleine, oft unrealistische Portionsgrößen wie 1/3 einer Pizza verzerren das Bild.

Außerdem können zum Beispiel Frühstückscerealien, die sich in der Aufmachung speziell an Kinder richten, pro Portion (40 Gramm) ganze zehn Gramm Zucker enthalten. Für Erwachsene ergibt das zwar nur elf Prozent der Tageszufuhr - was dann als Wert auf der Verpackung steht. Doch kleine Kinder decken mit der Zuckermenge bereits ein Drittel ab.

Die Verbraucherzentralen fordern daher eine EU-weit einheitliche, verständliche, farblich basierte Nährwertkennzeichnung auf der Basis von 100 Gramm oder 100 Millilitern auf der Vorderseite von Lebensmitteln, zum Beispiel in Form einer Nährwertampel.

Zutaten, Allergene und Haltbarkeit sind weitere Pflichtangaben

Lebensmittel, die noch vor dem 13. Dezember 2016 in den Verkehr gebracht wurden und noch keine Nährwertangaben tragen, dürfen noch verkauft werden, bis die Bestände aufgebraucht sind.

Was Hersteller bei Lebensmitteln noch angeben müssen (zum Beispiel Zutaten, Allergene und Mindesthaltbarkeits- / Verbrauchsdatum), haben wir in einem Beitrag zusammengefasst.