Corona: Was, wenn die Pflege zu Hause neu organisiert werden muss

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Das bewährte Betreuungssetting bricht zusammen: Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen, osteuropäische Betreuungskräfte verlassen das Land, ambulante Pflegedienste arbeiten anders. Für Betroffene und Angehörige ist das eine enorme Belastung, denn nun muss die Pflege neu organisiert werden. Wir wollen Ihnen hier einen Überblick, Tipps und Hilfestellungen zur Verfügung stellen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet der Ausfall von Betreuungsleistungen meist: Die Pflege muss zu Hause in Eigenregie übernommen werden.
  • Ausnahmen gibt es zum Beispiel für Angehörige, die in Schlüsselpositionen arbeiten, und für Pflegebedürftige, deren Betreuung zu Hause nicht sichergestellt werden kann.
  • Wir zeigen Möglichkeiten, Freistellung, Geld / Lohnfortzahlung oder Unterstützung in dieser schwierigen Zeit zu bekommen.
Eine Frau sitzt neben einer älteren Frau am Bett und hält ihre Hand
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Aktuelle Gesetzesänderungen

Der Bundestag hat auf die teils kritische Lage in der Pflege in Zeiten von Corona reagiert: z.B. mit dem "zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite", das am 23. Mai in Kraft getreten ist. Durch dieses Gesetz werden die Hilfen für diejenigen, die zu Hause ihre Angehörigen pflegen, angepasst und verschiedene Erleichterungen und Vereinfachungen eingeführt.

Das Gesetz sieht Änderungen in diesen Bereichen vor:

  1. kurzzeitige Arbeitsverhinderung
  2. Familienpflegezeit
  3. Kurzzeitpflege
  4. Entlastungsleistungen
  5. Pflegehilfsmittel

Details finden Sie unten unter den jeweiligen Punkten.

Hinweis: Nutzen Sie das Angebot der Pflegeberatung, um sich für Ihre individuelle Lage Hilfe zu holen. Die Angebote sind telefonisch und digital erreichbar. Ansprechpartner sind Pflegekassen, die Pflegestützpunkte der Bundesländer sowie die Angebote der Kommunen und Wohlfahrtsvebände. Eine bundesweite Datenbank mit Adressen finden Sie bei der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege.


Informationen für die spezielle Situation mit so genannter häuslicher "24-Stunden-Betreuung", bei der (ausländische) Betreuungskräfte bei Pflegebedürftigen wohnen, geben wir übrigens in einem separaten Text.

Alle unsere Verbraucher-Informationen zu Corona finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.


Kurzzeitige Arbeitsverhinderung, vereinfacht und verbessert für die Zeit der Corona-Krise

In einem akuten Pflegefall haben Beschäftigte normalerweise das Recht auf eine Auszeit von ein bis zehn Arbeitstagen, um die Pflege zu Hause zu organisieren. Das nennt sich kurzzeitige Arbeitsverhinderung. Arbeitgeber sind innerhalb dieses Zeitraums verpflichtet, betroffene Mitarbeiter von der Arbeit freizustellen. Während der Corona-Pandemie wird bis zum 30. September 2020 der Anspruch auf Freistellung von bislang 10 auf bis zu 20 Arbeitstage verlängert (bereits genutzte Tage müssen Sie natürlich abziehen).

Sollte der pflegerische Versorgungsengpass dadurch entstehen, dass Angebote oder Betreuungen ganz oder teilweise eingestellt werden, sollten Sie bei diesen Anbietern um Bestätigung bitten. Wenn die übliche Pflegeperson coronabedingt ausgefallen ist und Sie daher die Pflege übernehmen oder organisieren müssen, reicht eine kurze Bestätigung der Pflegeperson aus. Diese Situation müssen Sie durch eine Bestätigung des behandelnden Arztes oder durch eine Bestätigung der Pflegeeinrichtung nachweisen.

Wichtig zu wissen:

  • Auch wenn Sie als Angehöriger schon einmal den Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld genutzt haben, können Sie diesen nun nochmal geltend machen. Allerdings werden die Arbeitstage, die Sie bereits genutzt haben, von den 20 Tagen abgezogen.
  • Und: es ist möglich, sich die Arbeitsverhinderung aufzuteilen. Beispielsweise können sich zwei Geschwister jeweils 10 Tage frei nehmen.
  • Der Anspruch setzt nicht voraus, dass die Beschäftigten zunächst gegebenenfalls vorhandene Urlaubsansprüche nutzen.
  • Alle Arbeitnehmer haben darauf ein Recht – und zwar unabhängig von der Größe Ihres Unternehmens. Eine bestimmte Ankündigungsfrist gibt es nicht. Sie ist also sofort möglich. Jedoch sind Sie verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber den Verhinderungsgrund und die voraussichtliche Dauer mitzuteilen.

Zum Thema Gehalt: Eine Lohnfortzahlung während der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung gibt es nur, wenn diese ausdrücklich im Arbeitsvertrag oder als Ergänzung dazu vereinbart wurde.

Gibt es keine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, zahlen die Pflegekassen für die kurzzeitige Arbeitsverhinderung ein Pflegeunterstützungsgeld. Diese Leistung wird bis Ende September jetzt auch für bis zu zwanzig Tage gezahlt. Auch hier werden bereits genutzte Tage abgezogen. Das Pflegeunterstützungsgeld beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Netto-Entgelts. Sie müssen sie bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Angehörigen unverzüglich beantragen.

Aktuelle Änderungen: Das gilt für Familien- und Pflegezeit bis zum 30. September

Das galt schon vor Corona:

  • Arbeitnehmer können bis zu 6 Monate vollständig oder teilweise aus dem Job aussteigen, um einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause zu pflegen. Das nennt sich Pflegezeit und gilt für Betriebe mit mehr als 15 Beschäftigten.
  • Generell gilt: Wenn 6 Monate Pflegezeit nicht ausreichen, können Arbeitnehmer bis zu 2 Jahre teilweise aus dem Job aussteigen, um einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause zu pflegen. Dies gilt generell für Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern. Das nennt sich Familienpflegezeit. Der Arbeitnehmer wird hier für höchstens 24 Monate teilweise von der Arbeit freigestellt.

Das sind die aktuellen Veränderungen:

Wer die Familienpflegezeit noch nicht oder noch nicht vollständig genommen hat, kann sie aufgrund der Erleichterungen durch die Corona-Pandemie bis zum 30. September nun flexibler in Anspruch nehmen:

  • So kann die Mindestarbeitszeit von 15 Stunden in der Woche der Familienpflegezeit für einen Monat unterschritten werden. Beginn muss dann am 1. September sein. Andernfalls können Sie nur weniger Zeit in Anspruch nehmen. Also: Fangen Sie frühzeitig an zu planen.
  • Haben Sie die Pflegezeit oder Familienpflegezeit bislang noch nicht vollständig ausgeschöpft, dann können Sie, mit Zustimmung Ihres Arbeitgebers, kurzfristig Restzeiten dieser Freistellungen in Anspruch nehmen. Die Gesamtdauer von 24 Monaten darf jedoch nicht überschritten werden und die genommene Zeit muss am 30. September 2020 beendet sein. Erkundigen Sie sich frühzeitig bei der Pflegekasse nach Ihrer Restzeit.
  • Für Familienpflegezeit, die spätestens am 1. September 2020 beginnt, ist die Ankündigungsfrist beim Arbeitgeber auf 10 Tage vor Beginn der Familienpflegezeit verkürzt. Rechnen Sie diese Zeit in Ihren Plan mit ein.
  • Wenn die Familienzeit bis spätestens 1. September beginnt, kann sie in Textform beim Arbeitgeber angekündigt werden. Textform meint hierbei eine lesbare Erklärung von dem Betroffenen. Nicht erforderlich ist dann eine echte Unterschrift. Daher kommt auch eine Erklärung per Fax oder Brief ohne Unterschrift, E-Mail oder auch SMS bzw. WhatsApp und Co. in Betracht. Auch die weiteren Ankündigungen und Vereinbarungen, zum Beispiel über die Mindestarbeitszeit, können in solcher Textform erfolgen.
  • Normalerweise können Beschäftigte für denselben pflegebedürftigen Angehörigen nur einmal eine Pflegeauszeit (Familien-und/oder Pflegezeit) in Anspruch nehmen. Durch die gesetzlichen Änderungen ist es jetzt vorübergehend möglich, wenn die Gesamtdauer von 24 Monaten noch nicht erreicht ist und die Auszeit mit Ablauf des 30. September 2020 endet, beruflich erneut für die Pflege eines nahen Angehörigen kürzer zu treten. Wichtig: Auch hier muss der Arbeitgeber zustimmen.
  • Vorübergehend ist die Bestimmung, dass die Familienpflegezeit unmittelbar an die Pflegezeit anknüpfen muss, aufgehoben. Voraussetzungen sind, dass die Gesamtzeit von 24 Monaten nicht überschritten wird und die Freistellung mit Ablauf des 30. September 2020 endet. Der Arbeitgeber muss hier zustimmen.
  • Um den geringeren Lohn auszugleichen, kann ein Darlehen beantragt werden. Um dies auszugleichen, werden bis zum 30. September 2020 pandemiebedingte Einkommensausfälle bei der Ermittlung der Darlehenshöhe auf Antrag nicht berücksichtigt.

Sollten Sie also einen Einkommensverlust durch zum Beispiel durch verringerte Arbeitszeit, Kurzarbeit oder andere coronabedingte Einbußen haben, vergessen Sie nicht, einen solchen Antrag auf Berücksichtigung mit entsprechenden Nachweisen zu stellen!

Hinweis: Planen Sie frühzeitig und achten Sie auf die Fristen!

Kurzzeitpflege

Kann Ihr Angehöriger nicht zu Hause gepflegt werden, so haben Sie die Möglichkeit, ihn in der stationären Kurzzeitpflege unterzubringen. Um Engpässe zu überbrücken, finden Sie derzeit Kurzzeitpflegeplätze auch in Einrichtungen der Rehabilitation und in Krankenhäusern. Normalerweise zahlt die Pflegekasse dann bis zu 1612 Euro und übernimmt die Kosten für acht Wochen im Jahr.

Das neue Gesetz, das am 23. Mai 2020 in Kraft getreten ist, enthält auch hier eine Änderung: Wenn die Kurzzeitpflege in Einrichtungen der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation erbracht wird, übernimmt die Pflegekasse bis zum 30. September 2020 einen höheren Betrag - und zwar von bis zu 2418 Euro.

Entlastungsleistungen und Erleichterungen in Zeiten von Corona

Für stundenweise Betreuung durch einen Pflege- oder Betreuungsdienst und weitere Entlastung im Alltag könnten Sie Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Das geht natürlich nur, falls Ihr Angehöriger einen Pflegegrad hat und falls Sie in der aktuellen Situation noch Betreuungsdienste mit freien Kapazitäten finden. Der Entlastungsbetrag kann genutzt werden für:

  • Tages- und Nachtpflege, auch für die Kosten für Unterkunft, Mahlzeiten und Investitionen
  • Kurzzeitpflege
  • Leistungen von ambulanten Pflegediensten:
    Personen mit Pflegegrad 1 können sämtliche notwendigen Leistungen eines Pflegedienstes mitfinanzieren.
    In den Pflegegraden 2 bis 5 sind körperbezogene Pflegemaßnahmen, wie das Waschen und Anziehen, ausgenommen. Diese dürfen ausschließlich mit den Pflegesachleistungen finanziert werden. Der Entlastungsbetrag steht lediglich für zusätzliche Unterstützung zur Verfügung, wie etwa Hilfe im Haushalt und Alltagsgestaltung.
  • Angebote zur Unterstützung im Alltag bei Anbietern, die nach Landesrecht zugelassen sind, z.B. haushaltsnahe Dienstleistungen, Gruppenangebote, Alltags- und Pflegebegleiter.

Erweiterungen aufgrund der Corona-Krise seit dem 23. Mai:

Abweichend davon sollen Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 bis zum 30. September den Entlastungsbetrag auch für die Inanspruchnahme anderer Hilfen im Wege der Kostenerstattung einsetzen können, wenn dies zur Überwindung von infolge der Corona-Krise verursachten Versorgungsengpässen erforderlich ist. Andere Hilfen können professionelle Angebote oder auch nachbarschaftliche Hilfe sein. An den Nachweis gegenüber der Pflegekasse zur Erstattung der Kosten sollen die Pflegekassen im Interesse einer zügigen und unbürokratischen Abwicklung keine überhöhten Anforderungen stellen.

Achtung: Diese Erweiterung gilt nur für Pflegebedürftige im Pflegegrad 1. Pflegebedürftige in den Pflegegraden 2 bis 5 sind weiterhin an die oben genannten Einschränkungen gebunden.

Auch die Übertragbarkeit dieser Entlastungsleistungen ist erweitert worden. Normalerweise kann man die Entlastungsleistungen eines Jahres bis Ende Juni des Folgejahres in Anspruch nehmen. Für alle Pflegebedürftigen gilt nun: Die bisherige Ansparmöglichkeit von nicht in Anspruch genommenen Entlastungsleistungen wird einmalig um drei Monate verlängert. Das bedeutet, dass Sie die Leistungen aus dem Jahr 2019, die Sie noch nicht ausgegeben haben, bis Ende September 2020 in Anspruch nehmen können. Diese Erweiterung gilt für Pflegebedürftige aller Pflegegrade.

Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

Um die Menschen zu Hause zu unterstützen, wurde auch der Erstattungsbetrag für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel angehoben.

Zu den zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln zählen z.B. Einmalhandschuhe, Hände- und Flächendesinfektionsmittel, Mundschutz, Schutzschürzen, Einmal-Bettschutzeinlagen.

Hierfür gibt es normalerweise 40 Euro im Monat. Die Kostenerstattung dieser Hilfsmittel ist zum 1. April 2020 auf 60 Euro erhöht worden. Auch diese Änderung gilt bis zum 30. September 2020. Für Sie ist hier das Kaufdatum oder der Tag, an dem die Pflegehilfsmittel geliefert wurden, entscheidend.

Der Rettungsschirm für Einrichtungen und Pflegende

Mit dem "Gesetz zum Ausgleich COVID-19-bedingter finanzieller Belastungen der Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen" (COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz) sollen Betroffene ebenfalls unterstützt werden. Es bietet die Möglichkeit einer Kostenerstattung bis zur Höhe der ambulanten Sachleistung, sollten die professionellen Anbieter ausfallen. Das heißt:

Kann die übliche ambulante Pflege nicht mehr stattfinden und können auch Angehörige das nicht auffangen, könnten Sie mit Mitteln der Pflegeversicherung andere Helfer bezahlen. Dafür kommen laut des Spitzenverbands der Pflegekassen in Frage:

  • andere Betreuungsdienste
  • medizinische Leistungserbringer (z.B. Mitarbeiter aus Reha-Kliniken)
  • anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote
  • aber auch Personen ohne Qualifikation (z.B. Nachbarn)

Vorrangig soll die Versorgung durch qualifizierte Leistungserbringer erfolgen. Der Pflegebedürftige soll in einem solchen Fall bei seiner Pflegekasse einen Antrag auf Erstattung für die von der Pflegekraft erbrachten Leistungen stellen. Die Pflegekasse kann dem Pflegebedürftigen diese Kosten bis maximal 1995 Euro erstatten.

Der Spitzenverband geht hier aber von "Einzelfallentscheidungen" der Pflegekassen aus – ob Sie also tatsächlich etwas bekommen, ist offen. Auch die Höhe der Vergütung liegt im Ermessen der Pflegekasse.

Das wird für Betroffene kaum ausreichen. Wenn ein Pflegedienst ausfällt, ist es in der aktuellen Situation nahezu unmöglich, kurzfristig Ersatz zu organisieren, weil wohl nur wenige Pflege- und Gesundheitsprofis für solche Tätigkeiten zu bekommen sind.

Tagespflege

Hinweis: Prüfen Sie Ausnahmen und Notfallregelungen!

Sie sollten sich zunächst bei einer bisher genutzten Tagespflegeeinrichtung erkundigen, ob es Ausnahmen für besondere Berufsgruppen gibt, zu denen Sie vielleicht gehören. Hierzu zählen, je nach Bundesland, zum Beispiel Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Pflege, Kinder- und Jugendhilfe, der Feuerwehr, Rettungsdienst und Gefahrenabwehr. Aber auch die Mitarbeiter des ÖPNV, der Entsorgungsbetriebe, sowie der Energie- und Wasserversorgung und der Telekommunikation zählen dazu.

In den meisten Bundesländern dürfen Einrichtungen außerdem eine Notbetreuung für die Fälle einrichten, in denen eine ausreichende eine Pflege und Betreuung zu Hause nicht sichergestellt werden kann. Ob das so ist, entscheidet die Leitung der Tages- / Nachtpflegeeinrichtung im Einzelfall. Pflegebedürftige und pflegende Angehörige müssen daher nachvollziehbar darstellen, warum und inwieweit die Pflege und Betreuung zu Hause nicht gewährleistet ist.

Es spielt dabei sicherlich eine große Rolle, wie oft die zu pflegende Person die Tagespflege in der Woche aufsucht. Entscheidend ist auch, wie kräftezehrend die Pflege und Betreuung ist und welchen Pflegegrad die Person hat. Es soll auf jeden Fall vermieden werden, dass die häusliche Versorgung durch eine etwaige Überforderung komplett zusammenbricht.

Sonstige Möglichkeiten: Verhinderungspflege und Homeoffice

Hat Ihr Angehöriger einen Pflegegrad und springen in der aktuellen Situation entfernte Verwandte, Freunde, Nachbarn ein und unterstützen Sie bei der Betreuung Ihres Angehörigen, während Sie Ihrer Arbeit nachgehen, können Sie Leistungen der Verhinderungspflege bei der Pflegekasse abrufen. Für Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2 übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten einer Verhinderungspflege zu Hause für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr, höchstens jedoch bis zu einem Betrag in Höhe von 1612 Euro. Wenn keine Mittel aus der Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurden, kann der Betrag auf bis zu 2418 Euro erhöht werden.

Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen bereits sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung versorgt hat.

Die Verhinderungspflege können Sie auch stundenweise in Anspruch nehmen.

Gut zu wissen: Wird die Verhinderungspflege durch nahe Angehörige oder Personen, die mit der pflegebedürftigen Person in häuslicher Gemeinschaft leben, sichergestellt, kann für die Verhinderungspflege nur der 1,5-fache Betrag des Pflegegeldes für den festgestellten Pflegegrad genutzt werden. Nahe Angehörige sind hier Eltern, Kinder (einschließlich der für ehelich erklärten und angenommenen Kinder), Großeltern, Enkelkinder und Geschwister, sowie Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefenkelkinder (Enkelkinder des Ehegatten), Schwiegereltern, Schwiegerkinder (Schwiegersohn / Schwiegertochter), Schwiegerenkel (Ehegatten der Enkelkinder), Großeltern der Ehegatten, Stiefgroßeltern sowie Schwager / Schwägerin.

Bei entfernten Verwandten, Bekannten oder Nachbarn oder einem ambulanten Pflegedienst oder Betreuungsdienst kann der gesamte Betrag der Verhinderungspflege eingesetzt werden.

Eine weitere Möglichkeit, die Betreuung sicherzustellen, bietet das mobile Arbeiten / Homeoffice, wenn dies bei der eigenen Berufstätigkeit möglich ist. So wären Sie während der Arbeit zu Hause zumindest in der Nähe Ihres pflegebedürftigen Angehörigen und können unterbrechen, falls er Hilfe braucht.

Ein Rechtsanspruch auf Homeoffice besteht dabei allerdings nicht.

Klären Sie im Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber, ob Homeoffice oder mobiles Arbeiten möglich ist. In der aktuellen Situation zeigen sich viele Arbeitgeber kulant, wenn Arbeiten von zu Hause aus durchgeführt werden können.

Bei Kontakt zum Pflegebedürftigen gilt nun besondere Vorsicht

Wer Angehörige besucht, im Alltag unterstützt oder pflegt, sollte sich jetzt strikt an die Hygieneregeln halten und darauf achten, möglichst keine Erreger mit zu bringen. Dazu gehört, in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich mit den Händen anzufassen sowie sich nach Kontakt mit anderen Personen und zum Beispiel nach den Einkäufen die Hände gründlich zu waschen.

Wichtig ist es, schnell zu reagieren, wenn Sie Krankheitssymptome bemerken. Kümmern Sie sich außerdem rechtzeitig um mögliche Vertretungen. Ausführliche Tipps geben wir in unserem separaten Artikel.