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Schneckenkorn kann für Haustiere und Kleinkinder eine Gefahr sein

Stand:

Hersteller werben teils damit, dass die Mittel Igel und Co. schonen – doch eine Verbraucherin hat den Tod ihres Hundes gemeldet. Auch bei der Giftzentrale rufen Betroffene an.

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Das Wichtigste in Kürze:
  • Schneckenkorn soll die Schädlinge im Garten töten, ist in kleinen Packungsgrößen frei verkäuflich.
  • Einige Mittel können aber für Mensch und Tier gefährlich werden.
  • Metaldehyd ist ein Inhaltsstoff, den auch Giftzentralen ernst nehmen.

 

Viele Gartenbesitzer setzen auf Schneckenkorn, Baumärkte vertreiben das Mittel zur Bekämpfung der Tiere in ihrem Sortiment. Doch obwohl manche Hersteller auf Verpackungen mit Formulierungen wie "schont Igel und andere Nützlinge" werben, kann der Inhalt für Tiere und Kleinkinder gefährlich werden. Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ist jüngst ein Fall gemeldet worden, bei dem ein Hund im Garten Schneckenkorn gefressen habe und darauf nach einigen Stunden verstorben sei.

 

Auf Metaldehyd reagieren Tiere und Kleinkinder empfindlich

Es ist kein Einzelfall, dass die Stoffe von Mensch und Tier aufgenommen werden. Bei der Giftzentrale Bonn, die für Nordrhein-Westfalen ein Notruftelefon betreibt, seien im ersten Halbjahr 2016 schon 20 Fälle eingegangen, schilderte uns eine Sprecherin. Zur Hälfte seien Tiere, zur Hälfte Menschen betroffen gewesen.

Die dem Schneckenkorn zugesetzten Bitterstoffe stellen offenbar keinen ausreichenden Schutz vor dem Verzehr durch Tiere und Kleinkinder dar.

Wie bei allen Stoffen kommt es auf Menge, Zeitraum der Einnahme und die konkreten Inhaltsstoffe an, ob Gefahr besteht. Metaldehyd, das laut der Verbrauchermeldung auch in Schleswig-Holstein im Schneckenkorn enthalten war, ist für die Giftzentrale bedenklicher als mögliche Alternativen. "Hunde reagieren darauf sehr empfindlich, Kinder empfindlich."

Bei Problemen helfen Giftnotrufe oder der Arzt

Die Verbraucherzentralen warnen aufgrund des aktuellen Falles vor unbedachtem Gebrauch von Schneckenkorn mit Metaldehyd. Die typischen blauen Körner stellen für Haustiere und Kleinkinder eine Gefahr dar. "Darauf müsste durch Warnhinweise sehr viel deutlicher hingewiesen werden. Leider ist das Gegenteil der Fall, es wird mit verharmlosenden Aussagen geworben. Das darf nicht sein, hier muss sich dringend etwas ändern", so Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Gartenbesitzer sollten vorsichtig mit Schneckenkorn umgehen und sicherstellen, dass Haustiere und Kleinkinder fern gehalten werden und nicht davon essen. Wenn dies doch passieren sollte, rufen Sie einen Giftnotruf an (zum Beispiel in Bonn oder bei der Berliner Charité) oder gehen zum Arzt.

Es gibt Alternativen zur Chemie

Es gibt im Handel Alternativen zu Schneckenkorn mit Metaldehyd, von dem auch das Umweltbundesamt abrät. Eisen(III)-phosphat ist laut der Giftzentrale Bonn für Tiere und Menschen bei Einnahme weniger gefährlich. Wir raten zusätzlich aus ökologischer Sicht zu Eisen(III)-phosphat: Es hat so gut wie keine negative Umweltwirkung.

Der eigene Garten lässt sich aber auch durch Schneckenzäune oder eingegrabene Becher mit Bier schützen. Haufen mit totem Holz und Wassertümpel locken außerdem Fressfeinde der Nacktschnecken an – etwa Igel, Frösche und Eidechsen.