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Thomas Cook: Was sollten Reisende jetzt tun?

Stand:

Der Touristikkonzern Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Alle Reisen bis Ende 2020 fallen aus – auch, wenn sie schon bezahlt wurden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am 25. September 2019 hat auch die deutsche Thomas Cook GmbH ein Insolvenzverfahren eingeleitet.
  • Gebuchte Reisen für 2019 und 2020 sind abgesagt.
  • Ferienflieger Condor, der ebenfalls zur Thomas-Cook-Gruppe gehört, setzt den Flugbetrieb regulär fort. 
  • Der Höchstbetrag der Insolvenzabsicherung ist auf 110 Millionen Euro pro Versicherungsgesellschaft und Geschäftsjahr festgelegt.
  • Wer seine Reise selbst zusammengestellt hat, muss auch Ersatzflüge selbst organisieren.
Flugzeug Thomas Cook Group
On

Betroffene Marken

Thomas Cook hat sein Geschäft eingestellt. Betroffen von der Insolvenz sind tausende Thomas-Cook-Kunden, die eine Reise mit dem Reiseveranstalter gebucht haben sowie Kunden, die bereits mit dem britischen Reiseanbieter am Urlaubsort sind.

Seit dem 25. September 2019 sind auch die deutschen Thomas-Cook-Marken

  • "Thomas Cook Signature",
  • "Thomas Cook Signature Finest Selection",
  • "Neckermann Reisen",
  • "Öger Tours",
  • "Bucher Reisen" und
  • "Air Marin"

betroffen. Weil es bislang keine Investoren für die Thomas Cook Touristik GmbH gibt, wird dort nun aus rechtlichen Gründen die Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs zum 1. Dezember 2019 vorbereitet.

Zur Thomas-Cook-Gruppe gehört auch der Ferienflieger Condor. Flüge mit der Condor sollen aber zunächst weiter durchgeführt werden. Das deutsche Tochterunternehmen hat einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt und erhalten: Die Bundesregierung und die hessische Landesregierung haben Condor eine Bürgschaft für einen sechsmonatigen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro zugesagt.

Vorsicht vor E-Mail-Betrügern!

Thomas Cook warnt selbst vor Betrügern, die sich die Unsicherheit von Verbrauchern nach der Insolvenz von Thomas Cook zunutze machen wollen: Verbraucher erhalten E-Mails, die aussehen, als kämen sie von Thomas Cook. Der Betreff sei oft: "Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise." Darin würden dann sensible Daten abgefragt, beispielsweise Pass- und Kreditkartendaten. Thomas Cook verschicke solche E-Mails nie und rät, sie sofort zu löschen.

Welche Reisen finden statt, welche nicht?

Thomas Cook teilte am 12. November mit, dass alle Reisen mit Abreisedatum in 2019 und auch in 2020 nicht stattfinden werden – unabhängig davon, ob sie schon bezahlt wurden oder nicht. Das betrifft sowohl Pauschalreisen als auch bei Thomas Cook und den oben genannten Marken-Unternehmen gebuchte Einzelleistungen wie Nur-Flug oder Nur-Hotel.

Fällt Ihre Pauschalreise aus, obwohl Ihr Veranstalter gar nicht insolvent ist, können Sie auf zwei Weisen reagieren:

Diese Reisen sind nicht betroffen

Nach Aussagen von Thomas Cook sind Buchungen der folgenden Veranstalter nicht von der Insolvenz betroffen:

  • Dertouristik Gruppe (Dertour/Meiers/ITS/JAHN)
  • FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
  • Schauinsland Reisen
  • TUI-Gruppe
  • LMX Reisen
  • VTOURS
  • AMEROPA
  • Alltours (inkl Byebye)
  • ETI Reisen
  • L'TUR
  • TROPO
  • OLIMAR
  • HLX
  • TOUR VITAL
  • Centerparcs
  • Kiwitours
  • Aldiana

Nahezu alle dieser Veranstalter informieren ihre Kunden auch selbst auf ihren Websites darüber, dass die bei ihnen gebuchten Reisen ohne Einschränkungen stattfinden werden (Stand: 26.09.2019, 11.30 Uhr).

    Was sollten Reisende jetzt tun?

    1. Wer eine Pauschalreise mit den Veranstaltern Thomas Cook, Neckermann Reisen, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen gebucht hat, sollte sich nun an den sogenannten Sicherungsgeber wenden. Pauschalreisen in der EU müssen gegen Insolvenz abgesichert sein. In der Regel geschieht das durch eine Bank oder eine Versicherung. Der so genannte Sicherungsschein dient dafür als Nachweis.
      Im Falle von Thomas Cook ist der Absicherer die Zurich Versicherung. Die wiederum hat einen Dienstleister mit der Abwicklung von Ansprüchen beauftragt: Die KAERA AG in Oberursel. Wer also Ansprüche anmelden möchte, sollte sich über das eigens eingerichtete Internet-Formular an die KAERA AG wenden.
       
    2. Wer eine Pauschalreise gebucht hat und sich bereits im Urlaub befindet, kann laut Thomas Cook seinen Urlaub ohne Einschränkungen fortsetzen. Thomas Cook teilt mit: "Für Gäste, die sich aktuell im Urlaub befinden, sind die Hotelaufenthalte, die Transfers und die Rückflüge im Rahmen einer Pauschalreise gesichert." Bei Fragen sollen sich Kunden ebenfalls an die KAERA AG wenden.
       
    3. Wer sich als Pauschalurlauber im Urlaub befindet und vom Hotel aufgefordert wird, vor Ort selbst noch einmal für die erbrachten Leistungen zu bezahlen, sollte sich nicht unter Druck setzen lassen und nach Möglichkeit nicht zahlen. Geht es nicht anders, sollten Reisende sich die Zahlung und den genauen Grund dafür unbedingt schriftlich bestätigen lassen. Nach der Rückkehr sollten sie dann diese Zahlung als Anspruch an den Sicherungsgeber geltend machen. Das geschieht ebenfalls über das Internet-Formular der KAERA AG.
       
    4. Wer bereits am Urlaubsort ist, aber nur Hotel oder Flug über Thomas Cook (oder die zum Konzern gehörenden Marken) gebucht hat, kann finanziellen Schaden nur bei der sogenannten Insolvenztabelle anmelden. Das ist ein Verzeichnis aller angemeldeten Forderungen, das der Insolvenzverwalter erstellt. Weitere Informationen dazu wird der Insolvenzverwalter, die Frankfurter Kanzlei hermann wienberg wilhelm, mutmaßlich später veröffentlichen.
       
    5. Wer eine bevorstehende Reise bereits teilweise bezahlt hat, kann diese Summe beim Sicherungsgeber (bei Pauschalreisen) oder später über die Insolvenztabelle (bei Einzelbuchungen wie für Flüge oder Hotels) anmelden. Wer per Lastschrift oder Kreditkarte gezahlt hat, kann seine Zahlungen auch zurückbuchen lassen: Lastschriften können innerhalb von acht Wochen zurückgeholt, Kreditkartenzahlungen über das "Chargeback"-Verfahren rückgängig gemacht werden. Achtung: Es kann allerdings passieren, dass der Insolvenzverwalter später Zahlungen wieder einfordert, die vor dem 25. September 2019 geleistet wurden.
      Aufgrund der Insolventversicherung wähnen sich Pauschalurlauber häufig in Sicherheit. Was viele jedoch nicht wissen: Der Höchstbetrag der Insolvenzabsicherung ist auf 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr festgelegt. Für mehr muss der Versicherer nicht haften. Wer einen Urlaub bereits ganz oder teilweise bezahlt hat, wird daher vermutlich nur einen Teil davon zurück erstattet bekommen.
       
    6. Wer Flugticket oder Unterkunft selbst gebucht hat, muss sich auch selbst um Ersatz kümmern. Mehr zu den genau geregelten Fluggastrechten haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

    Mit tausenden von der Insolvenz Betroffenen kann es nun einigen Andrang bei Thomas Cook und den anderen Stellen geben, bei denen Kunden Kontakt aufnehmen sollen. Verbraucher berichten uns von langen Wartezeiten. Nehmen Sie sich also im Zweifel etwas mehr Zeit, um Ihre Angelegenheiten mit dem Unternehmen zu klären, oder probieren Sie es zu unterschiedlichen Uhrzeiten.

    Insolvenzversicherung ist auf 110 Millionen Euro begrenzt

    Alle Pauschalreise-Anbieter müssen sich gegen Insolvenz versichern. Aus diesem Grund wähnen sich Pauschalurlauber nach den Airline-Pleiten der vergangenen Jahre häufig in Sicherheit. Was viele jedoch nicht wissen: Der Höchstbetrag der Insolvenzabsicherung ist für Kundengeldabsicherer auf 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr festgelegt. Für mehr muss der Versicherer nicht haften.

    Anspruch auf Zahlungen haben Kunden nur, wenn sie eine Pauschalreise gebucht haben. Einzelleistungen, wie z.B. nur ein Flug oder nur die Übernachtungen in einem Hotel, sind nicht versichert.

    Zuständiger Insolvenzversicherer bei Thomas Cook ist die Zurich Versicherung. Für die Abwicklung der Ansprüche von Thomas Cook Kunden hat die Zurich Versicherung die Karea AG beauftragt. Die Karea AG hat eine Informationsseite zum Insolvenzantrag der Thomas Cook GmbH online gestellt: http://www.kaera-ag.de/geschaeftsfelder/abwicklungsstelle/aktuellesthomascook/index.htm.

    Forderungen der Verbraucherzentralen

    Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), fordert eine Anhebung des Höchstbetrags: "Der Verbraucherzentrale Bundesverband macht seit Langem darauf aufmerksam, dass der Höchstbetrag der Absicherung von 110 Millionen Euro pro Reiseveranstalter und Jahr deutlich angehoben werden muss." Mehr zu den Forderungen des Bundesverbandes finden Sie hier.

    Die Verbraucherzentralen fordern grundsätzlich Insolvenzsicherungen auch für einzeln gebuchte Flüge. Außerdem sollten Anzahlungen von mehr als 20 Prozent und eine Restzahlung früher als 30 Tage vor dem Flugtermin verboten werden.