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Vegetarische Alternativen: oft schlecht gekennzeichnet, teils ungesund

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt Mängel bei vegetarisch-veganen Ersatzprodukten.
  • Fast 80 Prozent der Fleisch- und Wurstersatzprodukte enthalten zu viel Salz.
  • Die Kennzeichnung ist oft nicht ausreichend. Und für die Begriffe "vegetarisch" und "vegan" fehlen derzeit gesetzliche Vorgaben.
ein veganer Burger

Vegetarische und vegane Ersatzprodukte müssen nicht gesünder sein als ihre Pendants aus Fleisch. Achten Sie auf Salzgehalt, Zusatzstoffe und Co. auf der Zutatenliste!

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Getreidebratling, Lupinen-Bratwurst oder Soja-Eis – vegetarische und vegane Ersatzprodukte haben die Regale deutscher Supermärkte erobert. Das Angebot nimmt stetig zu, die Ersatzbasis der Produkte wird immer vielfältiger. Die Kennzeichnung von Zutaten sowie die verwendeten Siegel sind aber oft mangelhaft bzw. bieten keine ausreichende Orientierung. Auch der von vielen Verbrauchern erwartete höhere Gesundheitswert im Vergleich zum tierischen Original wird längst nicht von allen Produkten erfüllt.

Das ist das Ergebnis eines bundesweiten Marktchecks der Verbraucherzentralen. Insgesamt haben wir 50 Fleisch- und 51 Wurstersatzprodukte sowie 26 Alternativen für Milchprodukte unter die Lupe genommen.

Kennzeichnung mangelhaft, Siegel bieten kaum Orientierung

Eine bewusste Kaufentscheidung ist nur möglich, wenn Sie die wichtigsten Informationen auf der Produktverpackung leicht finden – möglichst schon auf der Vorderseite. Bei unserem Marktcheck stand daher die Kennzeichnung der Produkte im Vordergrund. Bewertet haben wir den Produktnamen und die Bezeichnung, die Spurenkennzeichnung sowie die Verwendung von Siegeln und die Zusammensetzung der Produkte. Die Ergebnisse:

  • Nur circa 50 Prozent der Lebensmittel im Test werden im Produktnamen als "vegetarisch" beziehungsweise "vegan" ausgelobt. Stattdessen tauchen bei den anderen 50 Prozent verschiedene, nicht definierte Begriffe wie "veggie", "pflanzlich" oder "100 % pflanzlich" auf. Was tatsächlich drin ist, lässt sich bei all diesen Begriffen kaum sicher sagen.
  • Selbst wenn "vegetarisch" oder "vegan" auf der Verpackung steht, ist das nicht besonders verbindlich. Diese Begriffe sind in Deutschland bisher gesetzlich nicht definiert.
  • Auch die Verwendung von Siegeln lässt zu wünschen übrig. Von den insgesamt 127 getesteten Produkten tragen 31 das Vegetarisch- und 47 das Vegan-Siegel des ProVeg (ehemals VEBU – Vegetarierbund Deutschland). Die Vegan-Blume der Vegan Society ist auf 20 Produkten zu finden. Hinzu kommen mehr als 15 verschiedene Symbole von Herstellern. Die Vielzahl von Labeln mit unterschiedlichen Kriterien ist intransparent, denn kaum jemand kann sie alle kennen.
  • Weitere Probleme: Ein Hinweis auf die Ersatzzutat für Protein – etwa Soja, Weizen, Gemüse oder Eier – wird nur bei einem Drittel der Produkte vorne auf der Verpackung gegeben.
  • Bei 93 Prozent der getesteten Produkte fehlt die Angabe, ob Spuren tierischer Lebensmittel enthalten sind. Weil die Produktnamen nicht gesetzlich definiert sind, wissen Sie in solchen Fällen nicht sicher, was drin ist.

Gesundheitswert der Ersatzprodukte teilweise fragwürdig

Immer mehr Deutsche greifen auf Ersatzprodukte für Fleisch und Wurst sowie Molkereierzeugnisse zurück. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen von Mai/Juni 2016 mit 6000 Teilnehmern haben rund 90 Prozent der Verbraucher diese Produkte schon einmal probiert. Als Beweggründe werden meist Tierschutz sowie ethische und gesundheitliche Aspekte genannt. Etliche Verbraucher (40 Prozent) erwarten, dass Ersatzprodukte eine gesündere Alternative sind.

Tatsächlich zeigen sich bei den Nährwerten aber große Unterschiede:

  • So sind Ersatzprodukte für Wurst und Fleisch zwar durchschnittlich kalorienärmer und enthalten weniger gesättigte Fette als die Originalprodukte, 80 Prozent der untersuchten Produkte enthalten jedoch zu viel Salz und sind daher nicht empfehlenswert.
  • Im Marktcheck weisen unter den Produkten, die mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben werben, sogar 90 Prozent eine ernährungsphysiologisch ungünstige Zusammensetzung auf.
  • Hinzu kommt, dass einige Ersatzprodukte bis zu acht Zusatzstoffe enthalten – teilweise mehr als das zum Vergleich herangezogene Originalprodukt.
  • Auch Zusatzstoffe, von deren häufigem Verzehr abzuraten ist, finden sich in Ersatzprodukten (z.B. E 425, Konjak, ein Verdickungsmittel). Dieses Problem gibt es aber auch bei traditionell hergestellten Originalprodukten, wie zum Beispiel Nitritpökelsalz in Wurst- und Fleischwaren.

Vegetarische und vegane Ersatzprodukte bieten somit nicht zwangsläufig eine gesündere Alternative. Wer sich für den Gesundheitswert der Produkte interessiert, muss sie also konkret anhand der Zutatenliste und der Nährwertangaben bewerten.

Den vollständigen Marktcheck der Verbraucherzentralen können Sie hier herunterladen.