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Rückabwickler für Versicherungen sind oft zu teuer

Stand:

Vorsicht bei teuren Dienstleistern: Wer alten Versicherungsverträgen mithilfe von Rückabwicklern widerspricht, macht bis zu 50 Prozent Verlust.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer zwischen 1995 und 2007 eine private Kapitallebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen hat, kann teilweise noch immer widersprechen.
  • Fragwürdige Anbieter haben das als Geschäftsmodell entdeckt.
  • Sie nehmen oft hohe Gebühren - für Verbraucher rechnet es sich damit kaum noch.
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Geschäftsmann am Schreibtisch
Foto: UBER IMAGES / Fotolia.com

Hohe Kosten, aber kaum Mehrwert: Wir warnen vor sogenannten Rückabwicklern von Versicherungsverträgen. Die Möglichkeit, alten Verträgen zu widersprechen, hat fragwürdige Anbieter auf den Plan gerufen. Diese versprechen Verbrauchern Hilfe, wenn sie von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen wollen.
Im Frühwarnsystem der Verbraucherzentrale, dem Marktwächterprojekt, nehmen Fälle zu, die zeigen, dass diese Hilfestellung kaum Mehrwert für die Verbraucher bietet. Sie sollten diese Angebote meiden.

Dienstleister steigen mit kostenloser Prüfung ein

Verbraucher, die zwischen 1995 und 2007 eine private Kapitallebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen haben, können dem Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen noch immer widersprechen – und zwar selbst dann, wenn sie ihn zuvor bereits gekündigt hatten. Das hatte der Bundesgerichtshof 2014 entschieden (Az. IV ZR 76/11) und dieses Urteil 2015 noch präzisiert (Az. BGH IV ZR 384/14).

Die fragwürdigen Dienstleister bieten zunächst eine kostenlose Erstüberprüfung der Widerspruchsbelehrung an. Anschließend vermitteln sie einen Anwalt, der zu normalen Gebührensätzen den Rechtsstreit mit der Versicherung führt. Im Erfolgsfall verlangt der Dienstleister dann jedoch einen Anteil an dem Mehrwert, der für die Verbraucher erzielt wurde. Dadurch können Verbraucher im Einzelfall bis zu 50 Prozent der Rückzahlungen verlieren, die sie aufgrund des Rechtsstreits erhalten haben.

Verbraucher sollten ohne Mittelsmann zu einem Anwalt

"Aus unserer Sicht ergibt es keinen Sinn, solche Dienstleister einzuschalten", sagt Sandra Klug vom Marktwächterprojekt. "Die Erstprüfung könnte auch über einen Anwalt laufen – zu überschaubaren Konditionen." Das Erstberatungsentgelt könne dann auf die späteren Anwaltskosten angerechnet werden. Die Dienstleister verlangten hingegen für die Vermittlung von Anwälten im Erfolgsfall eine zusätzliche Vergütung.

So wird ein Widerspruch zum Versicherungsvertrag möglich

Die Urteile des BGH sind für Verbraucher besonders dann interessant, wenn sie sich frühzeitig von ihrer Versicherungspolice getrennt haben und daher nur einen geringen Teil der eingezahlten Beiträge zurückerhalten haben. Ein nachträglicher Widerspruch kann ihnen in diesem Fall erhebliche Nachzahlungen bringen.

Voraussetzung für den Widerspruch ist, dass der Versicherungskunde fehlerhaft oder nicht ausreichend über den Vertrag informiert wurde. Dies ist der Fall, wenn die Widerspruchsbelehrung nicht korrekt war. Auch wenn die dazugehörigen Versicherungsbedingungen oder die Verbraucherinformation nicht ausgehändigt wurden, ist der Widerspruch möglich.