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Girocard, Maestro, V Pay: Kartenzahlung wird komplizierter

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Beim Zahlen mit der Bankkarte arbeiten im Hintergrund Systeme verschiedener Anbieter. Nach dem Willen der EU sollen die Verbraucher nun bei jedem Einkauf eine Wahl treffen – die für sie aber weitgehend egal ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bankkarten beherrschen verschiedene Bezahlsysteme – welches genutzt wird, sollen Sie bei jedem Einkauf nun selbst entscheiden.
  • Die Gebühren an die angeschlossenen Institute zahlt immer der Händler. Der Händler kann für die Akzeptanz der Karte aber unter Umständen ein Entgelt verlangen.
  • Eigentlich gilt das seit Juni 2016. Aber viele Unternehmen müssen die EU-Verordnung erst noch umsetzen.
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An der Kasse die Karte ins Lesegerät stecken, Pin eingeben und das Geld geht vom eigenen Konto an den Händler: Ganz so einfach, wie die meisten Kunden es erleben, ist die Sache in Wahrheit nicht. Und durch eine EU-Verordnung (Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge; Artikel 8 Absatz 6) bekommen Sie das bald bei jedem Einkauf zu spüren.

Der Hintergrund: Die deutschen Geldinstitute müssen ihre Bankkarten (früher: EC-Karten) mit Bezahlsystemen ausstatten, die den Transfer vom Konto zum Händler durchführen. Innerhalb Deutschlands setzen die meisten dafür auf "Girocard". Damit die Karte aber auch im Ausland akzeptiert wird, unterstützt sie in der Regel zusätzlich das System "Maestro" (von der Firma Mastercard) oder "V Pay" (Firma Visa).

Den Kunden kostet kein Dienst Geld

Ihnen als Kunde konnte eigentlich egal sein, welcher Dienst nun eingeschaltet wird. Die entsprechenden Gebühren zahlt der Händler und hat sie in der Regel in seinen Preisen bereits berücksichtigt.  Es gibt aber Fälle, in denen ein zusätzliches Entgelt zu zahlen war. Bei Nutzung einer MasterCard oder des electronic cashs ist dieses auch (noch) zulässig. Bisher haben die meisten deutschen Unternehmen automatisch Girocard den Vorzug gegeben, weil sie das oft weniger kostet. Die EU möchte hier aber den Wettbewerb ankurbeln.
Erste größere Unternehmen wie Esso lassen ihren Kunden deshalb bereits die Wahl, wer die Zahlung abwickeln soll. Die Tankstellen-Kette gibt darum nun an vielen Terminals eine Empfehlung: Kunden sollten mit Girocard zahlen. Nutzen wird Ihnen das nur indirekt etwas. Kann das Unternehmen durch Girocard seine Kosten geringer halten, wird es eventuell den Benzinpreis minimal niedriger halten.

Gebühren liegen bei etwa 0,2 Prozent

Der Handelsverband Deutschland fordert, dass die Bezahldienste maximal 0,2 Prozent der bewegten Geldsumme kosten sollen. Tanken Sie das Auto für 50 Euro voll, ist das gerade einmal 1 Cent. Girocard und Co. bewegen sich um diesen Prozentsatz herum.

Womöglich reagieren Anbieter wie Mastercard und Visa demnächst aber auch selbst -– und führen Bonusprogramme oder Gewinnspiele ein, um die Kunden zu ihren Systemen zu locken.

Nur Bankkarten betroffen

Kreditkarten betrifft die EU-Verordnung übrigens zunächst nicht. Hier können die Händler weiterhin selbst bestimmen, welcher Dienst die Zahlung abwickelt.