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Bank nimmt Kündigungen gut verzinster Sparpläne zurück

Stand:

Gegen Kündigungen der Volksbank Raiffeisenbank Nürnberg war der Verbraucherzentrale Bundesverband vorgegangen. Betroffene können die Verträge nun weiterführen. Mit Kündigungen versuchen es aber auch andere Banken.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Alte Sparpläne bringen Verbrauchern heute einen sehr guten Zins. Mit einer Kündigung hat die Volksbank Raiffeisenbank Nürnberg versucht, sie loszuwerden.
  • Die Experten des Marktwächters Finanzen meinen: Die Bank darf nicht kündigen. Darum hat der Verbraucherzentrale Bundesverband die VR Bank Nürnberg abgemahnt. Mit Erfolg: Sie hat nun angeboten, die Verträge weiterzuführen.
  • Auch Kunden der Kreissparkasse Stendal berichten uns von Kündigungen.
  • Betroffene können sich gegen eine Kündigung ihres Sparvertrags wehren. Die Verbraucherzentralen helfen dabei.
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Viele Verbraucher, die bei der Volksbank Raiffeisenbank Nürnberg eG einen gut verzinsten Sparplan abgeschlossen hatten, haben Ende des Jahres 2016 eine Kündigung der Bank erhalten. Sie berief sich auf eine Klausel in den "Sonderbedingungen für den Sparverkehr". Wenige Monate später hat die Bank nun eingelenkt und Kunden Angebote geschickt, die Verträge doch zu den alten Bedingungen weiterzuführen.

Nach Ansicht der Experten vom Marktwächter Finanzen waren die Kündigungen nicht rechtens. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte die Bank darum abgemahnt und aufgefordert, sich nicht mehr auf die Klausel in den Sonderbedingungen zu berufen.

Vergleichbare Produkte heute kaum zu finden

Bis zum 15. März 2017 haben die Kunden laut Aussagen der VR Bank Nürnberg nun Zeit, mit einer Mitteilung an die Bank ihre alten Sparverträge zu den bisherigen Konditionen wieder aufleben zu lassen. Für die betroffenen Verbraucher lohnt es sich, am ursprünglichen Sparvertrag festzuhalten, da er gut verzinst ist. Vergleichbare Produkte mit solchen Zinsen werden Sie heute am Markt kaum finden.

"Verträge sind einzuhalten. Ansonsten müssen sich Banken und Anbieter – wie im Fall der VR Bank Nürnberg – vorwerfen lassen, dass sie das entgegengebrachte Vertrauen der Kunden missbrauchen. Solches Verhalten verstößt aus unserer Sicht zudem gegen geltendes Recht", so Benjamin Wick, Referent Geldanlage und Altersvorsorge im Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Kündigungen auch bei anderen Banken

Doch auch andere Banken kündigen alte Sparpläne. Bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt häuften sich im Dezember 2016 die Verbraucherbeschwerden. Die Kreissparkasse Stendal verschickte Kündigungen für alte Sparverträge. Die Verbraucherschützer prüfen die dort abgeschlossenen Verträge noch, Betroffene sollten sich bei der Verbraucherzentrale melden und bei der Sparkasse schriftlich widersprechen.

Sollten Sie von der Kündigung eines Sparvertrags betroffen sein, sind die entscheidenden Punkte:

  • Schreiben Sie der Bank einen Brief – am besten per Einschreiben mit Rückschein.
  • Erklären Sie eindeutig Ihre Absicht. Beziehen Sie sich auf das Kündigungsschreiben der Bank und nutzen Sie eine Formulierung wie "Ich widerspreche der Kündigung und bestehe auf einer Fortführung des Vertrags".
  • Sollten Sie ein Sparbuch haben, geben Sie es nicht aus der Hand.
  • Bei Fragen oder wenn sich der Streit mit der Bank fortsetzt, können die Verbraucherzentralen helfen.

Die Tricks der Banken und Sparkassen

Auf viele Sparprodukte gibt es derzeit kaum Zinsen – und Anbieter versuchen seit Jahren, aus für sie teuren Altverträgen rauszukommen. Das hat bis jetzt vor allem Bausparer getroffen – sei es mit umstrittenen Kündigungen oder mit Lockangeboten, die sich für die meisten Verbraucher nicht rechnen.

Ein Anbieter hat auch versucht, Kunden aus hochverzinsten Lebensversicherungen zu locken: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat die Neue Leben Lebensversicherung AG darum Ende des Jahres 2016 erfolgreich abgemahnt.

Unser Rat: Misstrauen Sie jedem Angebot, alte Verträge mit guten Zinsen zu verändern! Und nehmen Sie Kündigungen nicht einfach hin! Hatten Sie Zinsen von drei, vier oder mehr Prozent garantiert bekommen, werden Sie zu ähnlichen Konditionen derzeit kein annähernd so gutes, vergleichbares Sparprodukt bekommen.


Um diese Verträge ging es in Nürnberg

Im Fall der VR Bank Nürnberg hatte die Bank ihren Kunden den mit drei Prozent verzinsten "VR Sparplan 3+" und den mit vier Prozent verzinsten "VR Sparplan 4+" zum 31. Dezember 2016 gekündigt. Alternativ hat sie Kunden angeboten, das Guthaben für die Laufzeit von einem Jahr auf ein schlechter verzinstes Festgeldkonto der Bank zu übertragen.

Die Bank stützte sich bei der Kündigung der beiden Sparpläne auf im Jahr 2012 nachträglich vereinbarte Sonderbedingungen, in denen es heißt: Spareinlagen unterliegen einer Kündigungsfrist von drei Monaten. Die Bank leitet daraus auch ein eigenes Kündigungsrecht ab. Dagegen war der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit einer Abmahnung und Unterlassungsaufforderung vorgegangen.

Erste Sparkasse hat es schon 2014 versucht

Alte Sparpläne haben inzwischen auch schon mindestens drei Sparkassen gekündigt. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist erfolgreich gegen die Sparkasse Ulm vor Gericht gezogen, nachdem diese im Jahr 2014 mit Kündigungen gedroht hatte. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat die Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld im Jahr 2015 abgemahnt, das juristische Verfahren läuft noch. Seit Ende 2016 probiert es auch die Kreissparkasse Stendal.

Die Verträge zu den Sparplänen unterscheiden sich von Geldinstitut zu Geldinstitut, darum müssen wir jede Kündigungswelle einzeln prüfen und für Verbraucher anfechten.