WhatsApp-Kettenbrief zu Gruppen: Wahrer Kern

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Ein Kettenbrief auf WhatsApp zu Einstellungen für Gruppen sorgt für Verwirrung. Er ist – wie üblich für Kettenbriefe – reißerisch formuliert. Aber seine eigentliche Botschaft ist richtig und wichtig: Nutzer:innen sollten prüfen, wer sie zu Gruppen hinzufügen kann.

Smartphone zeigt einen langen Kettenbrief auf WhatsApp
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Mitte Mai 2021. Ein Kettenbrief verbreitet sich schnell im Messenger WhatsApp. Darin ist die Rede davon, dass WhatsApp "letzte Nacht" ein Update vorgenommen habe, wodurch man jetzt von jeder Person in Gruppen hinzugefügt werden könne – egal, ob man die Person und Gruppen kennt. Und es folgt eine Anleitung, mit welchen Schritten man zu den entsprechenden Einstellungen kommt.

Die Behauptung stimmt so nicht. Aber kurz nach dem Wirbel um WhatsApps Einführung neuer Nutzungsbedingungen am 15. Mai sorgt diese Information für neues Aufsehen. Sie ist reißerisch formuliert und eignet sich dazu, Stimmung gegen WhatsApp zu machen. Sie vermittelt aber eine wichtige Kernbotschaft: Prüfen Sie Ihre Datenschutz-Einstellungen!

Der Faktencheck

Das stimmt

  • Bei WhatsApp können standardmäßig alle Nutzer:innen ungefragt zu fremden Gruppen hinzugefügt werden. Das lässt sich in der deutschen WhatsApp-Version erst seit November 2019 ändern (siehe unten). Der entscheidende Punkt dabei ist das ungefragte Hinzufügen: Denn durch die Einstellung "Jeder" können Sie direkt in Gruppen hinzugefügt werden. Nur wenn Sie das einschränken, bekommen Sie Einladungen zu Gruppen, statt ohne Ihr Wissen direkt ein Teil davon zu werden.
  • WhatsApp liefert immer wieder Updates aus. Dadurch kann es – wie bei jeder Software – tatsächlich passieren, dass vorgenommene Einstellungen auf Standard zurückgesetzt werden. Uns liegen Verbraucherberichte und die eigene Erfahrung auf einem Testgerät der Redaktion vor, dass die Einstellung auf "Jeder" stand, obwohl sie schon mal verändert worden war. Den Zeitpunkt der Veränderung können wir nicht festmachen. Zuletzt hat WhatsApp im deutschen Play Store (Android) am 14. Mai ein Update zur Verfügung gestellt. Für Apple-Geräte gab es zuletzt am 10. Mai eine Aktualisierung (Stand: 21. Mai 2021).

Das stimmt nicht

  • WhatsApp hat offiziell kein Update vorgenommen, um eine neue Funktion einzuführen. Wahrscheinlicher ist es, dass durch ein Versehen bei einem App-Update die Standardeinstellung wiederhergestellt wurde. Das kann bei Updates leider immer passieren, weshalb Sie wichtige Einstellungen nach Updates und Neuinstallationen kontrollieren sollten.
  • "Deine Inhalte können angegriffen oder zugespamt werden", lautet ein Satz des Kettenbriefes. Das ist sehr allgemein und verängstigend formuliert. Tatsächlich könnten Sie mit unveränderter Standard-Einstellung bei WhatsApp ohne Ihre Zustimmung in unbekannten Gruppen landen. Dazu wird lediglich Ihre Mobilfunknummer benötigt – und davon sind nach einem Daten-Leak von Facebook am Osterwochenende zahlreiche öffentlich verfügbar. In den Gruppen können Sie Spam-Nachrichten oder andere Inhalte sehen, die Sie nicht sehen möchten. Aber andere Gruppenmitglieder können dadurch nicht auf Inhalte Ihrer anderen Chats oder Ihre Kontaktliste zugreifen. Was auch Fremde hingegen sehen können, sind Ihr Profilbild, Ihren Online-Status und Ihre Handynummer, wenn Sie deren Sichtbarkeit nicht eingeschränkt haben. Diese Einstellungen sind in anderen Menüpunkten der WhatsApp-Einstellungen zu finden.

Wie Sie Ihr Profilbild und weitere persönliche Informationen auf WhatsApp vor Fremden verbergen, zeigen wir Schritt für Schritt auf checked4you.de, dem Online-Magazin der Verbraucherzentrale NRW.

Einstellung: Einladung statt direktem Gruppenbeitritt

So richten Sie Gruppeneinladungen ein, statt direkt in fremde Gruppen hinzugefügt zu werden:

  • Einstellungen öffnen
  • auf Account tippen
  • Datenschutz antippen
  • Dort finden Sie den Eintrag Gruppen und können festlegen, wer Sie zu solchen ohne Ihr Einverständnis hinzufügen kann.

Wenn Sie "Jeder" beibehalten, können Sie wie bisher sowohl Bekannte als auch Fremde in Gruppen hinzufügen. Wählen Sie "Meine Kontakte", können Sie keine Fremden irgendwo hinzufügen, sondern nur noch Personen, die in Ihren WhatsApp-Kontakten aufgeführt sind. Wenn Sie "Meine Kontakte, außer ..." antippen, können Sie gespeicherte Personen auswählen, die Sie nicht direkt zu Gruppen hinzufügen dürfen. Ganz oben rechts (bei Android) bzw. unten rechts (bei iOS) können Sie mit einem Button alle auf einmal auswählen. Danach speichern Sie Ihre Auswahl (grüner Button mit weißem Haken) und WhatsApp ist so eingestellt, dass Sie niemand mehr ungefragt zu Gruppen hinzufügen kann. Sie bekommen dann immer eine Einladung, die Sie vor einem möglichen Gruppenbeitritt bestätigen müssen oder ablehnen können.

Achtung: Wenn neue Kontakte hinzu kommen, müssen Sie die in den Datenschutz-Einstellungen extra mit einem Haken versehen. Sonst können die neuen Kontakte Sie ungefragt zu Gruppen hinzufügen. Eine generelle Einstellung "Niemand", die auch für neue Kontakte gilt, wäre deutlich komfortabler. WhatsApp hat sie aber nach einer Ankündigung im April 2019 bis zur Veröffentlichung der Einstellungsmöglichkeit im November 2019 wieder verworfen.

Dieser Inhalt wurde von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.